49 Gedanken zu „Beiträge

  1. Blesin, Julia-Maria: Green Travelling – Einfach nachhaltig reisen. oekom verl., München, 2021, 208 S., 17,00 Euro, ISBN 978-3-96238-283-4

    (Fern-)Reisen geraten angesichts des sich ständig verschlechternden Globalklimas zunehmend in Verruf und sind für Umweltschützer geradezu ein „rotes Tuch“, wenn man von konventionellen Reiseformen ausgeht. Doch gut geplanter Ökotourismus ist eine Alternative mit gutem „Umweltgewissen“, um dennoch die natürliche und kulturelle Vielfalt anderer Länder auf umweltverträgliche Weise zu erkunden. Wie sich das am besten organisieren und durchführen lässt, dafür zeigt dieser inhaltlich und vom Layout her nicht nur informative, sondern auch unterhaltsame Ratgeber praxiserprobte und handlungsorientierte Perspektiven auf. Der Bestandaufnahme zur Machbarkeit umweltbewussten Reisens folgt eine Kurzanleitung zur konkreten Reiseplanung, unterlegt mit vielen Beispielen und Handlungsoptionen. Dieses Kapitel ist gut geeignet, um den Reisewilligen zur Selbstreflektion anzuregen: „Ist das wirklich das richtige für mich?“ Im Weiteren geht die Autorin dann ins Detail zu allem, was Reisen an Land, zu Wasser und mit verschiedenen Verkehrs- bzw. Transportmitteln ausmacht. Wie ernst J.-M. Blesin ihre „Mission“ nimmt, wird dabei nicht zuletzt durch spezielle Informationen zu nachhaltigen Unterkünften und Reiseutensilien deutlich, sondern auch durch die durchgängig eingestreuten Spartipps sowie Boxen mit sonstigen Hilfestellungen. Hier wird nichts ausgelassen, was man bei einer Reise beachten muss. Manche Passagen lesen sich schon fast wie ein Reisetagebuch. Das könnte doch vielleicht ein Anreiz für sein eigenes nachhaltig und kreativ gestaltetes Reiseerlebnis sein. Selbst wenn der Leser/die Leserin bei der Lektüre entscheidet, dass „Green Travelling für ihn/sie eher doch nicht in Frage kommt, weil es zu unbequem ist – eine Wahrheit, die im Buch keinesfalls schöngeredet wird – bleibt garantiert etwas von den Möglichkeiten und Grenzen von Ökotourismus hängen, warum nicht auch für kleine umweltfreundliche Veränderungen im Nicht-Reise-Alltag? (Weitere Infos unter http://www.oekom.de)

  2. „Knight, Liz: Essbare Wildpflanzen. Erkennen, sammeln und zubereiten. Laurence King Verl., London, 2021, 224 S., 24,00 Euro, ISBN978-3-96244-175-3
    „Meine Damen und Herren, Sie sehen, ich esse alles!“ Dieser Satz meines alten Botanikprofessors, den er dann durch „Verkostung“ von z. B. Sauerklee auf botanischen Exkursionen anschaulich vorlebte, kam mit sogleich in den Sinn, als ich dieses Werk durchblätterte. Als Symbiose aus Bestimmungs- und Rezeptbuch stellt es einen lesenswerten, ernährungstechnisch sogar leicht „experimentellen“ Beitrag zu eher unbekannten kulinarischen Nutzungsmöglichkeiten von Wildpflanzen dar, die uns tagtäglich in der Natur begegnen und denen wir gewöhnlich keine besondere Aufmerksamkeit widmen. Zugleich ist das Buch auch ein Beitrag zur nachhaltigen Nutzung von Naturpotenzial, denn was man in vertretbaren Mengen der Naturflora entnimmt, wächst nach und ersetzt in der Küche ansonsten gekaufte pflanzliche Zutaten. In diesem Werk hält die Autorin 50 Wildpflanzen für kulinarische Aha-Erlebnisse weltweit zubereiteter Gerichte bereit. Sehr schön von Optik und Layout her (Kompliment auch an die Illustratorin) werden die Pflanzen jeweils auf der linken Seite botanisch beschrieben. Auf der rechten Seite folgen wie Handzeichnungen angelegte Total- und Ausschnittabbildungen plus Hinweisen auf das jeweilige „Kulinarik-Potenzial“, auf den Folgeseiten eine entsprechende Rezeptauswahl. Alle Zubereitungen sind selbstredend vegetarisch, aber vom Geschmackserlebnis her ganz sicher auch für eingefleischte Fleischliebliebhaber eine gesunde und innovative Alternative. „Walderdbeeren in Sirup“, „Kaffee-Mousse mit Klettenlabkraut“ oder „Mädesüsswecken“ machen schon beim Lesen Lust. Wer hätte gedacht, dass sich Malvenwurzeln zu Marshmallows verarbeiten lassen, meint auch absolut party- und (kinder-)geburtstagstaugliche Schmankerl. Die entsprechenden Verzeichnisse am Buchende ermöglichen eine schnelle Orientierung bei der Suche nach Verwendungsmöglichkeiten der einzelnen Wildpflanzen sowie den zu jeder Pflanze umgesetzten Rezeptvorschlägen. Nicht nur bei Reisen gilt: „Warum in die ferne schweifen, wenn doch das Gute liegt so nah?“ (Weitere Infos unter: laurencekingverlag.de)
    ~~~~~

  3. Hahn, Martina, Herrmann, Frank: Fair einkaufen – aber wie? Das Handbuch für fairen Konsum. 6. Aufl., Brandes & Apsel, Frankfurt/M., 2019, 429 S., 32,90, ISBN 978-3-95558-259-3

    „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.“ Wo dieser beim fairen Alltagseinkauf entlangführen kann, zeigt dieser ausführliche und lesefreundlich gestaltete Ratgeber für jedermann. Er hilft, sich im analogen und digitalen Handel zu orientieren und diejenigen Produkte zu finden, die nachweislich fair produziert und auch so gehandelt werden. Das Buch lebt nicht nur von umfassenden Lesetexten plus Einkaufsquellen für 39 solcher Handelsgüter – von Ananas bis Zucker – sondern klärt überhaupt erst einmal detailliert über die vielen Facetten von fairem Handel auf, so auch explizit bezogen auf Bekleidung, Tourismus, Elektronik sowie Geldanlagemöglichkeiten als noch auszuschöpfendes Potenzial. Ich war verblüfft, in wie vielen Bereichen bereits die Möglichkeiten zu einem alternativen Konsum bestehen. Zu jedem dieser genannten Bereiche erfolgt zunächst eine kritische Bestandsaufnahme. Die der Informationsdichte geschuldete „Textlastigkeit“ stört nicht weiter, denn die einzelnen Kapitel werden durch ansprechende Grafiken aufgelockert und man muss ja nicht alles lesen, sondern kann sich je nach Gusto die Kapitel auch einzeln vornehmen oder sich auf die Listen der Handelspartner beschränken. Das wäre jedoch auf jeden Fall zu schade, denn das Buch kann so viel mehr. Dass dem so ist, zeigt diese bereits 6. aktualisierte Auflage, die wirklich den aktuellen Stand der Dinge wiedergibt und zudem eine Investition in die Umsetzung von nachhaltigem Konsum ist, zumindest individuelle Möglichkeiten des Einstiegs eröffnet. Damit würde nicht nur der Natur „etwas Gutes getan“, sondern auch ein Zeichen gegen menschenunwürdige Produktionsverfahren gesetzt, ein Anliegen, das M. Hahn und F. Herrmann ebenfalls deutlich kommunizieren. (Weitere Infos unter http://www.brandes-apsel.de)

  4. Reich, Kersten: Lasst uns den Planeten retten! Das nachhaltige Manifest. Westend Verl., Frankfurt/M., 2021, 100 S., 10,00 Euro, ISBN 978-3-86489-332-2

    Der Titel klingt futuristisch, lässt Assoziationen an Weltraummissionen aus Filmklassikern aufkommen und wirft vor allem Fragen auf: „Steht wirklich die Existenz der Menschheit auf dem Spiel? So dramatisch kann es doch wohl nicht sein. Und was soll ich denn dazu beitragen? Das muss doch „die Politik“ machen.“ Die letzte Frage wird gleich in den aufklappbaren Buchvorder- und -hinterseiten beantwortet und setzt erste Impulse für individuelle Verhaltensänderungen.
    Es ist nicht akut lebensvernichtend, was sich gerade auf der Erde abspielt, doch die Zukunft sieht nicht rosig aus, wenn wir so weitermachen. Dafür gibt es zu viele augenfällige Beweise. Ein Schwerpunkt der Krise ist der nur sehr zögerlich umgesetzte Nachhaltigkeitsgedanke – dazu im Eingangskapitel eine „Abrechnung“ mit politischen und ökonomischen „Verhinderungsmaßnahmen“ – denn ohne nachhaltige Naturnutzung, nicht deren Ausbeutung, verantwortungsvolles politisches und individuelles Handeln, angepasste Wirtschaftsformen und industrielle Prozesse wird sich nichts ändern. Der Autor stellt mit deutlichen Worten, sogar klaren Schuldzuweisungen bisher verfehlte Chancen einer Nachhaltigkeit praktizierenden Manifests bzw. ganzheitlichen Konzepts dar. Hier wird kein Kuschelkurs verfolgt. Gut kommt heraus, dass es ein Geflecht von bisher vernachlässigten Fakten und Handlungsoptionen, deren Folgen und auch Möglichkeiten für Gegenmaßnahmen gibt, die alle irgendwie miteinander in Beziehung stehen. Was gar nicht geht ist: Blauäugig so weitermachen, den Kopf in den Sand stecken und Widerstände scheuen. Der Autor bezieht im Stile eines moderaten Investigativjournalismus zur Ursachenforschung eine klare Position. Diese mag manchen Lesern/Leserinnen als zu hart erscheinen, doch manchmal bringen überschwellige, provokative Reize mehr als einfach nur das sachliche Aufarbeiten von Fakten. Das Buch schafft das und setzt genau damit die Reize, die notwendig sind, damit wir unsere oftmals durch unsere Alltagsroutine eingeschliffene Lebensweise positiv ändern. Der epilogähnliche Aufruf am Buchende fasst das schlaglichtartig zusammen: „Empört euch, leistet Widerstand, stellt Forderungen!“ Ein solcher politisch und historisch nicht unbefleckter Aufruf lässt sich nur dann richtig einordnen, wenn man das Buch als Leser:in kritisch konsumiert. Es gibt keine Verpflichtung zur Lektüre, aber die Empfehlung dazu!
    (Infos unter https://www.westendverlag.de/)

  5. Girod, Eliza, Hartung, Amelie: Durdu und das Plastikmeer – Eine abenteuerliche Weltreise. oekom verlag, München, 2021, 55 S., 14,00 Euro, ISBN 978 -3-96238-261-2

    Durdu ist eine sehr umweltbewusste Großstadttaube, die der Meinung ist „Plastik – geht gar nicht. Dagegen müssen wir sofort was tun!“ Für sie ist der Startschuss zu dieser abenteuerlichen Umweltmission eine vom Winde verwehte Plastiktüte, sieht man ja auch schon auf dem Cover. Rund um den Erdball schnappt sie sich nun Müll und stiftet auch viele Mitstreiter:innen dazu an, ihrem Tun zu folgen. Durdus sprachlich und zeichnerisch liebevoll gestaltete Beispiele, wie wir alle etwas zur Verbesserung des aktuellen Zustandes von Natur und Umwelt beitragen können, holt die jungen (auch gerne ältere) Leser:innen in ihrem plastikgespickten Alltag ab. Viele spannende Sachinformationen – so auch nach dem „Schon-gewusst-Prinzip“ – runden die Thematik dieses global vorhandenen Problems ab, so ganz nebenbei also auch noch mit wertvollem Lernstoff ohne Lehrer:in mit Notenbuch. Die Schulsituation, die hier dennoch eingebaut wird, ist einfach nur sympathisch, genauso wie Durdu, deren Beispiel wir unbedingt folgen sollten. Es muss ja nicht gleich auf der ganzen Erde sein, sondern kann ganz einfach zuhause beginnen und von dort seine plastikfreien Kreise ziehen. (Details unter http://www.oekom.de)

  6. Heyn, Viktoria, Gohla Mareike: Besser naturbewusst leben mit Kindern. Natur erleben, Werte vermitteln, Zukunft schaffen. Christian Verl., München, 2021, 190 S., 19,99 Euro, ISBN 978-3-95961-542-6

    „Was Hänschen SCHON lernt, lernt Hans IMMER MEHR.“ Mit diesem abgewandelten Sprichwort möchte ich vorab die Botschaft zusammenfassen, die uns Viktoria Heyn und Mareike Gohla vermitteln. Die Autorinnen spielen in diesem motivierenden, wegweisenden „Erziehungsratgeber“ gegen Reizüberflutung und zurück zur Natur ihre ganze Erfahrung als Fachfrauen im sozialen, erzieherischen und umweltbiologischen Bereich aus. Sie führen gut nachvollziehbar und ebenso „kopierfähig“ aus, wie das möglichst frühe Heranführen von Kindern an den Wert und das Potenzial von Naturressourcen deren Lebenseinstellung nachhaltig prägen kann. Ihr Handbuch beginnt mit einer Bestandsaufnahme zum Istzustand der Erde bzgl. der allgegenwärtigen Belastungsfaktoren für Klima, Boden, Wasser, Luft. Vor jedem der handlungsorientierten Hauptkapitel – jeweils mit wertvollen Praxistipps in Checklisten – zu Ernährung, Körperpflege, Kleidung, Kreativität von Kindern, Naturschätze nutzen, Feste feiern sowie nachhaltig reisen geht ein eindrückliches Zitat eines renommierten „Promis“ voraus. Besonders treffend finde ich gleich das erste von Jane Goodall: „Ich bin zutiefst überzeugt, dass es unendlich wichtig ist, vor allem Kindern beizubringen, allem Leben gegenüber respektvoll zu sein.“ Die Mischung machts, hier Sachinformationen, Rezepte, Basteltipps, Verwertungsmöglichkeiten von Kräutern und vieles mehr. Darunter auch viel originelle Ideen, denn hier wird nicht einfach nur Bekanntes aufgewärmt, was „man ja ohnehin schon wusste“, sondern ein moderner pädagogischer und fachlicher Ansatz verfolgt. Dieser wird im Fazit „Immer öfter unperfekt“ besonders glaubhaft, in dem die Autorinnen klar betonen, dass es die Politik der kleinen Schritte ist, die zu positiven Veränderungen führt und nicht die vollständige Abkehr vom bisherigen, gewohnten Lebensstil. Auch Kompromisse sind gestattet, Hauptsache wir packen es an und das möglichst schon früh schon in der jungen Generation.

  7. DVD „Unser Boden – Unser Erbe“, ein Film von Marc Uhlig. Lighthouse Home Entertainment, 2021, 79 Min., FSK 0

    Noch nie in der Menschheitsgeschichte war die Aufklärung über den Istzustand unserer Erde so wichtig wie gerade jetzt. Viele Filmproduktionen folgen diesem Aufklärungstrend mit zeitgemäßen Beiträgen, so auch dieses ausführliche, anschaulich gestaltete „Bodenportrait“. Gleich zu Beginn des Film wird klar, dass der Boden als „Haut der Erde“ die Basis nahezu aller Lebensprozesse auf der Erde bildet, fast gleichzusetzen mit der biologischen Bedeutung der Ozeane. Das Credo des Films könnte man so formulieren: Der Boden lebt, ist ein vielschichtiges Ökosystem und das „letzte Paradies“ (Filmzitat). Hier wird nichts ausgelassen, von der Bodenentstehung, der (exzessiven) Nutzung, biozönotischen Zusammenhängen, der Einbeziehung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Faktoren bis hin zum angemessen emotional gefärbten Aufruf zum akut notwendigen Bodenschutz. Hinzukommen verschiedene Möglichkeiten der Abhilfe. Der Dokumentarfilm bietet insbesondere durch die erläuternden „Life-Kommentare“ von Fachwissenschaftlern. Landwirten, Wirtschaftsexperten und Politikern eine gelungene Zusammenschau naturwissenschaftlicher, agrartechnischer, wirtschaftlicher sowie gesellschaftlicher Parameter, die mit der funktionellen Bedeutung von Boden assoziiert sind. Auch die herrlichen Landschaftsaufnahmen kombiniert mit aussagekräftigen filmischen Elementen und der Kameraführung machen den Film zu einem in jeder Form gelungenen Beitrag mit Aufklärungs- und Denkanstoß-Charakter. Er macht Mut und zeigt, dass es noch nicht zu spät ist, dieses „Organ“ zu kurieren, auch wenn es bereits auf „Es ist 5 vor 12.“ zugeht. Das kann auch im schulischden Bereich mit diesem Film gut vermittelt werden.
    ~~~~

  8. Koch, Timm: Lasst uns Paradiese pflanzen! Reichwerden mit der Vielfalt der Natur – statt arm durch ihre Zerstörung. Westend Verl., Frankfurt/M., 2021, 240 S., 18,00 Euro, ISBN 978-3-86489-138-0
    Der Einstieg in das autobiografisch angelegte Buch ist geradezu paradiesisch, denn es beginnt mit der Verbindung des Autors zu einen selbst angelegten Apfelgarten und dessen Potenzial als Muster für den „Green New Deal“. Das ist ein (etwas visionäres) Konzept zur ökologischen Wende, wegführend von der Industriegesellschaft, hier vornehmlich der industriell organisierten Agrar- und Forstwirtschaft. Somit ist der Leitgedanke schon einmal vorgegeben und wird auch konsequent verfolgt. Gleich auf der ersten Seite stellt T. Koch klar, dass er das im Sinne des Buchtitels zukunftsträchtige Potenzial von Permakultur, einem Waldgarten, Agroforstsystemen sowie der Feld-Baum-Wirtschaft ausführlich beleuchten wird. Das klingt zunächst nach ganz viel Theorie, doch dem ist nicht so. Der Autor hat das Buch als Erlebnisbericht konzipiert, in dem neben den genannten nachhaltigen und biodiversitätsfördernden Wirtschaftsformen auch „Randmethoden“ wie essbare Städte, sogar Obst- und Nusswälder integriert sind. Da Koch selbst rundherum vom Fach ist, gelingt es ihm sehr gut, Beispiele solcher dem „Green New Deal“ zuträglichen Methoden anschaulich und optimistisch zu vermitteln, wohlweislich mit klaren Aussagen zu deren Möglichkeiten und Grenzen. Diese hat er in vielen persönlichen Begegnungen mit alternativ praktizierenden Pflanzenbauern, Landwirten u. ä. anhand vieler weltweit verstreuter Beispiele sorgfältig ausgelotet. Die gelungene Verknüpfung von Fachwissen, der Abwägung von berechtigter Kritik an der herkömmlichen Agrar- und Umweltpolitik und konstruktiv präsentierten, kleinschrittigen sowie mühsam umzusetzenden Chancen für Gegenmaßnahmen machen das Werk zu einem „aktuellen Zukunftsroman“ mit vielen Denkanstößen. Den Leserinnen und Lesern wird klar vor Augen geführt, dass sich der (persönliche) Einsatz für eine lebenswerte – hier auch lesenswerte – Zukunft rentieren wird. Man wird dieses Buch nicht nach wenigen Seiten zur Hand legen, denn dafür sind die Inhalte einfach zu spannend.
    ~~

  9. Vagedes, Christian: Die vegane Revolution. Gesünder leben, Tiere schützen und den Planeten retten. Westend Verl., Frankfurt/Main, 2021, 224 S., 17,95 Euro, ISBN 978-3-86489-288-2

    Der Titel klingt als wenn die Rettung unseres Planeten „so einfach wäre“, wenn man die Covervorgaben befolgt. Gut so, denn nun hat der Leser auch die entsprechende Motivation, sich mit den Ausführungen genauer zu befassen. Doch dabei offenbaren sich komplexe Zusammenhänge zwischen Konsum, Tierschutz und dem o. g. übergeordneten Ziel. Zuerst fallen beim Durchblättern die ganzseitigen harten Schwarz-weiß-Grafiken auf, die provozieren und informieren. Sie offenbaren Missstände bzw. dokumentieren diese und geben so eine erste Anregung zur persönlichen Umorientierung. Eines solchen Auslösers bedarf es auch für die Kommunikation der inhaltlichen Intention und Botschaft. Das sind informative Wirkungstreffer im positiven Sinne. Auffällig sind zudem die ebenfalls grafisch betonten Vorurteile gegen Veganer, gleich mit der ausführlichen Widerlegung dazu. Damit wird auch schon eine wesentliche Botschaft des Buches klar: Erst mal informieren, dann kritisieren. Dieses Buch polarisiert und enthält viele, unverblümt vorgehaltene Wahrheiten, die nicht immer angenehm sind und zum Teil auch in den Bereich „Geschmackssache“ fallen dürften. Manchmal verlangt es ein mehrfaches Lesen, denn viele Sätze sind wegen ihrer inhaltlichen Dichte ähnlich schwer zu durchschauen wie die Wahrheiten in ihrer Wechselwirkung. Dass auch das Nazi-Regime mit dem Anlauf der seit Mitte der 1920er Jahre etablierten Farbindustrie ab absurdum geführt wird, ist zwar verwunderlich, passt aber in den gelungenen Versuch der vielschichtigen Analyse. Es ist erstaunlich, wie der Autor diesen Bogen schlägt. Kurz gesagt: Mut zum Lesen bringt auch den Mut zum Umdenken. Jeder möge für sich selbst entscheiden, wie er sich entscheidet. Christian Vagedes gibt hier nicht den besserwissenden Oberlehrer! Eine inhaltliche Ergänzung bzw. Anmerkung sei mir erlaubt, auch wenn sie nichts mit Veganismus zu tun hat. Wo bleibt der tierethische Aspekt, dass wir nicht nur Schlachttieren wehtun, sondern es auch kaum dem Tierwohl angemessen ist, wenn wir uns Luxushündchen halten.

  10. Wurzeln des Überlebens. Ein Film von Bertram Verhaag, DENKMALFILM Verhaag Gmbh, München, 2021, DVD 90 Min., o. FSK, xxxxx Euro, ISBN 978-3-945809-05-1, http://www.denkmal.film.de

    Der Dokumentarfilm beginnt mit einem inhaltlichen „eyecatcher“, der zugleich auch den Spannungsbogen des Films aufbaut: dem Endzeitszenario „Der Weltuntergang“, des Schweizers Franz Hohler. Dieser trägt in einem Monolog die drastischen Konsequenzen einer auf einer kleinen Südseeinsel ausgerotteten Käferart vor. Die dadurch gestörten globalen, ökologischen Wechselwirkungen provozieren in letzter Konsequenz den Weltuntergang. Im Hintergrund tickt eine Uhr, auch als „roter Erinnerungsfaden“ zwischen den einzelnen Filmabschnitten zu den von B. Verhaag besuchten Bauernhöfen. Vor eindrucksvollen Naturlandschaften spricht B. Verhaag nun selbst über seinen Erkenntnisweg dahin, dass die Natur unendlich vielfältig ist und deren Erhaltung für das Überleben des Menschen wesentliche Voraussetzung ist. So leitet er gekonnt auf den Schwerpunkt des Films über. „Zurück zu den Wurzeln“ und zwar zu solchen landwirtschaftlichen Konzepten, die Natur respektieren, die ökologischen Zusammenhänge verstehen und sie als „kooperierenden Partner“ behandeln. Die fünf Bauern, die ihr Verantwortungsbewusstsein und den Nachhaltigkeitswert von Natur und Umwelt in die Praxis umgesetzt haben, nehmen die Zuschauer mit auf ihre Höfe und erläutern „mit Herzblut“ ihre Bewirtschaftungsformen. Diese dürfte auf den ersten Blick so gar nicht dem normativen Blickwinkel unserer Gesellschaft entsprechen, sondern eher als Außenseitermethoden abgestempelt werden, dafür aber im Einklang mit der Natur. Wie das in die Naturgesetzte integrierbare Konzept, häufig bedroht vom Damoklesschwerts des (wirtschaftlichen) Scheiterns, aussehen kann, zeigen die Bewirtschaftungsformen, in denen tradiertes, zum Teil bislang verschüttetes Fachwissen wieder auflebt. Am bekanntesten dürfte hier der Demeter-Anbau sein, Kälberhaltung bei ihren Muttertieren, das aktuell wieder diskutierte Thema der Zweitnutzungshühner („Bruderhähnchen“) sowie Agroforstwirtschaft. Eher speziell und daher besonders eindrucksvoll ist dagegen eine Samenbank zum Erhalt des genetischen Materials von ca. 3000 Tomatensorten sowie die biologisch-dynamische Herstellung plus Nutzung von Präparaten aus tierischen und pflanzlichen Stoffwechsel(end)produkten mit dem Ziele der „Bodenheilung“. Alle Methoden basieren auf viel Insiderwissen und seit Generationen gewachsenen Erfahrungswerten, von dem wir ein ganz Menge lernen und mitnehmen können – jedoch keineswegs lehrmeisterhaft vermittelt – sowohl für unsere Eigenverantwortung bzgl. der Nicht-weiter-Ausbeutung der Natur als auch bzgl. der Akzeptanz von sinnmachenden Alternativmethoden.

  11. Stengel, Oliver: Vom Ende der Landwirtschaft – Wie wir die Menschheit ernähren und die Wildnis zurückkehren lassen. Oekom Verl., München, 2021, 239 S., Softcover, 20,00 Euro, ISBN 978-3-96238-207-0
    Manchmal muss ein Autor erst einmal provozieren – so bereits das entsprechende Statement auf dem Buchcover – um das Bewusstsein für weitreichende Veränderungen zu wecken, die an der Basis von seit Jahrtausenden kaum hinterfragten (landwirtschaftlichen) Traditionen, vielleicht sogar unserer Weltanschauung kratzen. Genau das macht O. Stengel seinem zunächst eigenwillig rüberkommenden Plädoyer für die Abschaffung der Landwirtschaft. Der fachliche Rahmen wird dabei weit gespannt, denn das Buch beginnt mit einer Schilderung der von vielen Umbrüchen geprägten geologisch-biologischen Entstehung der Erde als Sprungbrett, um von dort auf die bislang erfolgten Revolutionen in der Landwirtschaft überzuleiten. Solche Umbruchphasen sind der Leitgedanke in dem sehr informationsdichten Buch. So befinden wir uns aktuell bereits in der dritten Revolution, weg vom Ackerland, hinein in künstlich erschaffene Pflanzenbiotope.
    Stengel ist wahrhaftig nicht schonend in seiner von moderner Nomenklatur geprägten Wortwahl und sagt unverblümt, welche zu den traditionellen landwirtschaftlichen Wirtschaftsformen konträren Schnitte gemacht werden müssen einschließlich der Abwägung ihres Für und Widers. Sein ökologsicher Neuansatz hat als Ziel, in der Natur zu leben, ohne von ihr zu leben. Die daraus resultierenden zum Teil provokanten Sichtweisen muss der Leser erst einmal verdauen, ehe er sie beurteilen kann. Diese mutige in manchen Passagen essayartigen Ausführungen sind daher absolut empfehlenswert für alle, die bereit sind, vorurteilsfrei an auch weitreichende Neuorientierungen heranzugehen. Auf jeden Fall schafft Stengel es, Reflektion und Meinungsbildung zu wecken. Mich erinnert sein Zukunftsszenario an Science-Fiction-Filme, deren Inhalte seinerzeit als visionär galten und vermutlich belächelt wurden, inzwischen aber in vielen Bereichen, z. B. Weltraummissionen, zur Alltagswirklichkeit geworden sind. Fazit: lesenswert, spannend mit gebündeltem Sachwissen.

  12. BERTRAM VERHAAG REGISSEUR UND PRODUZENT von „Aus Liebe zum Überleben““

    „Ich habe ein großes Interesse an unserer Um- und Lebenswelt. Und das Bewusstsein darüber ist stetig gewachsen. Umwelt bedeutet für mich weit mehr als Wiesen, Bäume und Blumen. Umwelt bedeutet für mich alles, was ich esse und trinke, die Luft, die ich atme und die Lebensbedingungen meiner Mitmenschen und meiner Mitgeschöpfe, der Tiere und Pflanzen. Dazu gehört auch der politische Raum, in dem sich der Mensch bewegt. Und natürlich die Landwirtschaft. Wobei ich von Landwirtschaft kein romantisches Bild vor mir hertrage, wie ein Bauernhof auszusehen hat. Aber: Ich habe ein sehr genaues Bild davon, wie Landwirtschaft mit dem Boden, mit den Pflanzen und den Tieren umgehen sollte. Das ist für mich das innere Anliegen, realistisch dahingehend zu wirken, etwas positiv zu verändern. Ich möchte keine illusorischen Utopien in den Himmel malen, sondern ganz konkret Dinge, von denen ich sehe, dass sie nicht richtig laufen, positiv verändern.

    So war ich in meinen Filmen immer auf der Suche nach Menschen, die Pflanzen und Tiere als Mitgeschöpfe betrachten und sie lieben und ehren. Und genau diese mutige Zukunftsmacher zeige ich in meinem Film WURZELN DES ÜBERLEBENS.“

    Seit fast 40 Jahren dreht Bertram Verhaag im Rahmen seiner eigenen Produktionsfirma DENKmal-Film Dokumentarfilme. Es entstanden etwa 140 Filme, darunter zehn abendfüllende Kino-produktionen. Konsequent, beharrlich und nachhaltig fühlt er sich als Produzent, Autor und Regisseur ausschließlich politischen, umwelt- und sozialpolitischen Themen verpflichtet.

    Indem er Menschen in den Mittel-punkt seiner Filme stellt und porträtiert, die sich bei gesellschaftlichen Fragen einmischen, hofft er, mit seinen Filmen Mut zu machen. Niemand sollte sich ohnmächtig dem Dogma unterwerfen „…da kann man sowieso nichts machen!“.

    Wegen der Nähe zur Oberpfalz entstanden in den 80er Jahren fünf Filme gegen die Nutzung der Atomkraft zum Thema WAA in Wackersdorf. Der bekannteste wurde „Spaltprozesse“, wobei der Titel nicht nur auf die Spaltung des Atomkerns hinweist, sondern vielmehr auf die Spaltung der Bevölkerung in Befürworter und Gegner von Atomanlagen.

    Zwischen 2004 und 2017 widmete sich Verhaag dem Thema Gentechnik. In dieser Zeit entstanden Filme wie „Leben außer Kontrolle“ (2004, 95 Min), welcher in wenigen Monaten zum Standardwerk über die Gentechnik wurde. Verhaags neunter Gentechnik-Film „Gekaufte Wahrheit – Gentechnik im Magnetfeld des Geldes“ (2010, 88 Min) ist ein dokumentarischer Thriller über die Freiheit der Wissenschaft.

    Sein zehnter Film zu diesem Thema war „Code of Survival – Die Geschichte vom Ende der Gentechnik“ (2017, 95 Min), in dem Verhaag mit dem Aberglauben der Gentechnikbefürworter „Man kann bald die 9 Milliarden Menschen auf der Welt nur mit Gentechnik ernähren.“ gründlich aufräumt.

    Nach zehn Filmen zum Thema Gentechnik liegt ein zweiter Schwerpunkt in Verhaags Arbeit darin, dem Zuschauer Menschen nahe zu bringen, die sehr bewusst, ökologisch, ganzheitlich und nachhaltig LEBENS-mittel erzeugen, mit ihrem Tun Menschen zum Nachdenken anregen und zu eigenem Handeln ermuntern. Auch hier ist die Reihe der internationalen Preise lang.

    Einer seiner erfolgreichsten Filme ist „Der Bauer und sein Prinz“ (2015, 80 Min) – über die Öko-Farm von Prinz Charles. Der Film zeigt einen Prinzen, der die Vision hat, die Welt ökologisch zu ernähren und die geschundene Natur zu heilen. Prinz Charles erscheint hier in einem gänzlich ungewohnten Licht, dass den Zuschauer dazu zwingt, viele Vorurteile gegenüber ihm und der ökologischen Landwirtschaft über Bord zu werfen.

    Mit „Aus Liebe zum Überleben“ (2019, 84 Min) begibt sich Bertram Verhaag auf eine Reise zu acht mutigen Menschen, die sich abgewendet haben von Konventionen, von Agrargiften, von unmenschlichen Arbeitsweisen und sich einer Landwirtschaft zugewandt haben, die ohne Gifte und ohne Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit auskommt. Jeder Protagonist erzählt seine ganz persönliche Geschichte: von Äckern für die man sich einen Anzug anziehen muss, von Regenwürmern, Kuhhörnern, von der Stille, von suhlenden Schweinen, von der Ehrfurcht vor dem Leben,….

    Zurzeit entsteht ein weiterer langer Film über ein internationales Leuchtturnprojekt, der zu einem Umdenken in der Landwirtschaft ermutigen sollen: „Sauwohl und Menschenglück“ – Ein Film über eine gelungene Agrarwende in Hohenlohe.

    So erzeugt Verhaag mit seinen Filmen Produkte, die einen hohen gemeinschaftlichen Nutzen für alle haben und ist somit im wahrsten Sinne ein „Social Business“. Er beteiligt sich an der „Bewegung“ unserer Gesellschaft hin zu mehr Menschlichkeit, Respekt vor der Natur und den Naturgesetzen, zu Nachhaltigkeit und Mut, sich einzumischen.

  13. RESTLOS GLÜCKLICH e. V., Hrsg., Heuts, Wenke (Autorin), Vigh, Inka (Illustratorin): Benja & Wuse – Essenretter auf großer Mission. Oekom Verl., München, 2021, 40 S., Hardcover, 14,00 Euro, ISBN 978-3-96238-246-9

    Dieses Kinderbuch mit der alters- bzw. generationsunabhängigen Botschaft „mehr Wertschätzung von Lebensmitteln, ist ein Kooperationsprodukt von RESTLOS GLÜCKLICH e. V. eine etablierte Einrichtung zur (aktiven) Lebensmittelrettung, und zwei „Fachfrauen“, die wissen, wie man Kinder für ein für viele Erwachsene leider immer noch Randthema empfänglich machen kann. Es ist nicht leicht, Verhaltensänderungen ohne den mahnenden Zeigefinger zu erreichen. Doch dieses Buch dürfte das schaffen, denn es hat sicher so manchen Wiedererkennungswert für Kinder (und Erwachsene) wie „Wo ist denn… geblieben?“, Aufräumen, suchen oder Geheimnisse haben.
    Hier bedient sich das Autorin-Illustratorin-Duo eines äußerst originellen „Vehikels“, um Kinder zum Lebensmittelretten, bezeichnenderweise als „Essenretten“ bezeichnet, zu motivieren. Das mausähnliche Phantasiewesen Wuse, deren im Haus versteckt lebende Familie immer dann etwas „maust“, wenn es unnützerweise weggeworfen, also zu Müll gemacht wird, so auch angeblich nicht mehr genießbare Lebensmittel.. Irgendwann wird Wuse von Benja erwischt. Die beiden freunden sich schnell an und der kleine Junge lernt viel von Wuse, was Essensrettung anbelangt. Dieses kindgerechte Buch, geprägt durch ein treffend zum Thema und zur Leserschaft verfasstes Storybook und den wunderbarten Zeichnungen mit ihrer eigenen Geschichte einer echten Freundschaft plus einem gemeinsamen Ziel, hat das Potenzial, den Wert von schlussendlich intakter Natur und Umwelt zu vermitteln. Auch aus „(familien-)pädagogischer“ Sicht ist es wertvoll, denn es könnte ja sein, dass Eltern bzw. Großeltern daraus vorlesen und so selbst noch etwas mitnehmen….im wahrsten Sinne des Wortes. Spätestens bei der Lektüre des Anhangs (appetitmachende Rezepte zur Brotverwertung, Tipps zum Erkennen, ob Lebensmittel noch genießbar sind) wird das der Fall sein. Also „Willkommen im Team Essensretter!“

  14. Aus Liebe zum Überleben. Ein Film von Bertram Verhaag, DENKMALFILM Verhaag Gmbh, München, 2019, DVD 90 Min., o. FSK, 16,47 Euro, ISBN 9-783945-809044, http://www.denkmal.film.de

    Dieser Dokumentarfilm folgt dem Prinzip der „Biophilie“, kurzgesagt der „gewaltfreien Liebe zum Leben“, hier realistisch und nachhaltig vermittelt am Beispiel acht landwirtschaftlicher Betriebe in Bayern, deren Betreiber aus Erkenntnis-, Vernunfts- und Verantwortungsgründen auf eine nachhaltige, umweltverträgliche und das Tierwohl schätzende Bewirtschaftung umgestellt haben. Darüber, dass damit finanzielle Einbußen verbunden sind, viele Klippen umschifft werden müssen und auch immer mal wieder die Entscheidungen hinterfragt werden, sind sich die Protagonisten bewusst, denn sie wollen Verantwortung gegenüber der Natur mit ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten (vor)leben und dieses auch kommunizieren.
    Der Film beginnt mit dem mutigen Statement des Landwirtes im ersten vorgestellten Alternativ-Betrieb „Ich war ein Zerstörer, lasst mich wieder Bauer sein.“ Es steht stellvertretend für alle weiteren wegweisenden „Credos“ der jeweiligen Öko-Landwirte.
    Inhaltlich geht es um nachhaltige, verhaltensgerechte Milchvieh-., Schweine- und Geflügelhaltung, Ackerbau ohne Ackergifte, Herstellung von Biokäse u. ä. Die Zerlegung eins frisch geschlachteten Schweins vor den Augen einer Besuchergruppe mit anschließendem Schlachtefest mag in diesem Kontext ein wenig befremdlich erscheinen. Doch sie spiegelt die Realität wider. Denn B. Verhaag hat einen Dokumentarfilm gedreht ohne Schönfärberei, mit klarer Botschaft sowie den Machbarkeitsmöglichkeiten und -grenzen. Den roten Faden bildet das Konzept „Veränderungen setzen Begreifen voraus, das Bauernhandwerk verlangt ein Arrangement mit der Natur.“ Ganz nebenbei macht der Zuschauer in diesem „filmischen Bilderbogen“ zudem eine Reise durch idyllische Landschaften mit vermenschlicht betrachtet „glücklichen Kühen“. (Eine solche Vermenschlichung erfolgt jedoch keinesfalls im Film!)
    Mein Fazit: Verhaag ist es gelungen, durch seinen Film durchaus Optimismus zu verbreiten. Umweltverträgliche, nachhaltige Landwirtschaft ist möglich, angestoßen durch die entsprechenden Erkenntnisprozesse. „Aus Liebe zum Überleben“ ist eine realistische Machbarkeitsstudie mit Tiefgang, die zeigt, dass jeder einzelne von uns letztendlich seinen Beitrag zum Erhalt von Natur und Umwelt selbst in der Hand hat. Auch individuelles Engagement zählt!

  15. Hirschhausen, Eckart von: Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben. dtv, München, 2021, 400 S., 24,00 Euro, ISBN 978-3-423-28276-5

    „Wir müssen nicht die Welt retten – sondern uns“, der rote Faden dieses humorig, aber mit Tiefgang verfassten „echten Hirschhausen“, den der Autor selbst als Reisebericht, nicht als Endergebnis beschreibt. Wer möglicherweise befürchtet, bei diesem Buch auf eine trockene Darstellung zum bedenklichen Zustand der Erde zu treffen, die ihn selbst als Mitverursacher anprangert, der hat sich getäuscht. Die Mischung aus sachlicher Darstellung des Istzustandes, humorvollen Einschüben („Jetzt nicht weiterlesen – erst mal kurz selbst überlegen.“, S. 206) und aussagekräftigen, inhaltlich nicht überladenen, oftmals „pseudowitzig“ angehauchten Grafikelementen und Farbfotos ist die Basis dafür, dass von Hirschhausens Botschaft frei nach dem Motto „Es gibt viel zu tun, packen wir’s an.“ beim Leser ankommt. Hinter den saloppen Kapitelüberschriften, manchmal angenehm provokativ oder doppeldeutig verbergen sich sehr wohl ernst gemeinte Fakten, Taten und Ausblicke, die durchaus optimistisch stimmen können. Auch der unmittelbare Zusammenhang zwischen der fortschreitenden Klimakrise und der individuellen Gesundheit wird anschaulich nahegebracht. Durchgängig bezieht der Autor den Leser ein, nicht nur durch dessen direkte Ansprache, sondern auch durch griffige alltagebezogene Beispiele. Das vom Layout her sehr ansprechende Werk vereinigt verschiedene literarische Genres und bewegt sich zwischen Essay, sachlichen Reportagen, subjektiven Stellungnahmen, die eine eigene Meinungsbildung anregen, und einem Hauch Science Fiction im Sinne von Abhilfemöglichkeiten – eine wirklich lesenswerte unterhaltsame Lektüre, bei der es auch durchaus möglich ist, nur gezielt einzelne Kapitel zu gerade aktuellen persönlichen Interesse anzusteuern, obwohl der eigentliche Reiz jedoch vom Gesamtwerk ausgeht, das nicht zuletzt durch die Begegnungen v. Hirschhausens mit anderen Fachleuten wie beispielsweise Harald, Lesch, Sarah Wiener oder Jane Godall gewinnt.

  16. Matthias Film: 2040 – Wir retten die Welt! Film von Damon Gameau, Australien 2019, 92 Min., je nach Nutzer 50,00 bis 250,00, DVD 46502554

    Dieser Dokumentarfilm ist eine wahre Fleißarbeit, was den Umfang der Recherche und die Vorstellung bzw. Diskussion praktikabler Lösungsmöglichkeiten (Nachhaltigkeit, Energie, Landwirtschaft, Mobilität, Bildungssicherung) weltweit anbelangt. Der Fächerbezug ist ebenso weit gefasst wie die Inhalte: vorwiegend die Naturwissenschaften sowie der gesellschaftswissenschaftlich-ethische Bereich.
    Während des gesamten Films, der mit einer aufrüttelnden Darstellung des Istzustandes der Erde unter der Leitfrage „Wie könnte das Leben im Jahr 2040 aussehen?“ steht, wird der Spannungsbogen durch mögliche, für den Fortbestand der Menschheit existenzielle Antworten aufrechterhalten. Gameau verbreitet hier keine Endzeitstimmung, was sich auch damit begründet, dass der Film seiner vierjährigen Tochter Velvet eine positive Zukunftsentwicklung vermitteln soll, weshalb auch Filmszenen durchgängig zu Velvet in Bezug gesetzt werden. Besonders sehenswert sind die auch nachdenklich stimmenden, authentischen Zukunftswünsche von Kindern. Gameau selbst bezeichnet übrigens sein Werk als „Übung in wissenschaftlich fundierten Träumen“. Er zeigt echte Perspektiven sowie Positivtendenzen auf, deren Umsetzung jedoch das verantwortungsbewusste eines jeden von uns voraussetzt. Im Begleitmaterial werden die entscheidenden Szenenbilder separat angeboten und vertiefen so das eine oder andere Schlüsselmoment. Arbeits- und Informationsblätter ermöglichen einen differenzierten, handlungsorientierten Zugang mit Diskussionspotenzial zum Gesamtpaket der Klimakrise. Wie aktuell Gameaus Doku ist, zeigt sich nicht zuletzt in der Einbeziehung der Coronaproblematik. Fazit: Ein Film, der aus den üblichen des Genres positiv hervorsticht, und seine didaktisch-methodischen Ziele erreichen dürfte.

  17. KlimaTeller – NAHhaft e.V.: Cooking für Future – 110 Rezepte mit klimafreundlichen Zutaten. Christian Verl., München, 2021, 192 S., ca. 100 Abb., 24,99 Euro, ISBN 978-3-956961-500-6

    Es ist gar nicht so leicht, im Alltag klimafreundlich, (Lebensmittel-)abfall vermeidend und insgesamt nachhaltig zu wirtschaften, denn nicht alle Verrichtungen lassen sich umweltschonend gestalten bzw. sind unter Umständen recht zeitaufwändig und auch im Verhältnis teurer sind. Einen prima, „handlungsorientierten“ Einstieg in den Klimaschutz, wenn auch nur als „Tropfen auf den heißen Stein“ – aber der stete Tropfen höhlt ja bekanntlich den Stein – bietet dieses Rezeptbuch für viele leckere Zubereitungen auf pflanzlicher Basis aus der kalten und warmen Küche: Vorspeisen, Salate, Wraps, Pizza, Pastagerichte, Snacks, pikante und süße Backwaren, Dips und mehr. Es ist eine zeitgemäße, experimentierfreudige Küche, die eine breite Palette an Geschmackskompositionen und -empfindungen bereithält, frei nach dem Motto: „Hab‘ erst einmal dazu den Mut, dann wirst du schmecken, wie gut die klimafreundliche Küche tut“. Neben der Küchenpraxis werden die Leser/innen ausführlich daten- und faktenbasiert über den Zusammenhang zwischen Essen und Klima(belastung) informiert, nicht um dem Verfechter der herkömmlichen Küche ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern um ihn konstruktiv zum Mitmachen anzuregen. Als Bonbon gibt es eine 21-Tage-Challenge, wobei man nach einem vorgeschlagenen Plan innerhalb von 3 Wochen zum klimafeundlichen Kochen angeleitet wird: „Cooking for Future“ beginnt mit der Bereitschaft, vielleicht eingefahrene Küchen-Gleise zu verlassen und sich mit anderen Gewohnheiten vertraut zu machen. Diese „Klimaküche“ ist dafür der ideale praxiserfahrene Lehrmeister!

  18. Bundesministerium für Bildung und Forschung: Expedition Erdreich – mit Teebeuteln den Boden erforschen.
    Handlungsorientierter Umweltschutz – z. B. möglichst geringe Klimabelastung, Nachhaltigkeit, bedarfsgerechte und faire Ressourcennutzung sowie Lebensmittelwertschätzung – fangen schon im Kleinen an, oder besser gesagt schon bei den Kindern und Jugendlichen, die Forschergeist haben, immer schon einmal ein bisschen mehr über Vorgänge in der Natur wissen wollen und auch ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten möchten („Citizen-Science“), noch dazu ganz zeitgemäß, nämlich unter Zuhilfenahme eines GPS-fähigen Smartphones. Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2020/21 (Thema „Bioökonomie“) hat das Bildungsministerium für Bildung und Forschung zusammen mit verschiedenen renommierten Forschungseinrichtungen ein Experimentier-Kit zur Analyse des Ökosystems Boden entwickelt, das neben viel adressatengerecht aufbereitetem Sachwissen zu den ökologischen Wechselwirkungen unter unseren Füßen vor allem den Forscher/innen die Möglichkeit gibt, durch „Learning by Doing“ selbstentdeckend zu lernen. Verblüffend das Ausgangsmaterial: Grün- und Rooibostee. Alleine schon der den teilenehmenden Einzelpersonen oder Schulklassen zur Verfügung gestellte Laborkasten sowie die Informationsmaterialien für Lehrkräfte und die jungen Forscher/innen, auch mit Blick über den Tellerrand, machen die Bodenexperimente zu einem unterrichtlichen Highlight, bei auch dem die methodischen sowie die Auswertung betreffenden Aspekte ihrerseits nachhaltig wirken dürften: Bestimmung von Bodenarten und -farbe, des pH-Wertes, von Bodenlebewesen sowie die Ermittlung der Durchwurzelung sind möglich. Ein modern ausgebreitetes Navigationsheft gibt eine gut verständliche Anleitung plus Protokollvorlagen und Aufgaben. Im Aktions-Kit ist alles drin, was man da so braucht, von den Teebeuteln, über Aqua dest. Mensuren, pH-Teststäbchen, Schaufel, einem Gewichtstück und sogar einer Laborwaage bis hin zu Steckschildern, alles zu transportieren in einem schicken Expeditions-Rucksack aus Leinen. Einen Einblick in die Faszination dieser Aktion und weitere Informationen gibt es unter: https://www.expedition-erdreich.de/

  19. Hemenway, Toby: Gaias Garten – Mit Permakultur nachhaltig gärtnern – Die perfekte Anleitung für Selbstversorger. Narayana Verl., Kandern, 2021, 416 S., 28,90 Euro, ISBN 978-3-96257-209-9

    Permakultur als Pendant zur Bionik – Abschauen von der Natur und die Umsetzung evolutiv bewährter ökologischer Konzepte: das ist der Leitgedanke von „Gaias Garten“, geschrieben von einem Pionier der Permakultur in den USA. Dabei steht das Kleinökosystem
    (Haus-)Garten stellvertretend für ökologische Wechselwirkungen in größeren terrestrischen Systemen. Mit Hilfe dieses Praxis-Ratgeber-Handbuchs lässt sich nachhaltiger Pflanzenbau im Kleinen betreiben und öffnet so auch den Blick für Vieles rund um Wasserhaushalt, Boden, nützliche, unerwartete bzw. eher unbekannte Eigenschaften von Zier- und Nutzpflanzen sowie Biozönosen. Wer sich in das umfassend und gut verständlich aufbereitete Knowhow des Autors einarbeitet, was sicherlich zunächst einiges an Durchhaltevermögen verlangt und auch bereit ist, sich den hier propagierten natürlichen Abläufen unterzuordnen, hat sehr gute Chancen, zum Selbstversorger mit vielen Nutzpflanzen zu werden. Auch aus naturästhetischer Sicht, zur Erhöhung der Artenvielfalt und nicht zuletzt als kleiner, aber wichtiger Beitrag zum Klimaschutz ist das Buch eine wertvolle Handreichung. An dieser Stelle noch eine der Botschaften von Hemenway: Das Werk soll sich nicht als „Ökofanatikermanifesto“ verstehen, auch wenn zwischen den Zeilen „ein Plädoyer für weniger Konsum und mehr Autarkie“ steckt, so der Autor im Vorwort. Dieses Werk voll Sachwissen und Handlungsorientierung ist es wert, in der persönlichen Gartenpraxis eingesetzt zu werden.

  20. De la Fôret, Rosalée, Han Emily: Heilende Wildkräuter – Nachhaltig Heilpflanzen sammeln und eigene Naturmedizin herstellen. Narayana Verl., Kandern, 2021, 415 S., 29,00 Euro, ISBN 978-3-96257-198-6

    Dieses Heilkräuterhandbuch wurde von zwei erfahrenen Heilkräuterkundlerinnen verfasst. Beide verfügen über eine langjährige Erfahrung zum nachhaltigen, gesundheitsfördernden Umgang mit Wildkräutern und geben diese nicht nur in gedruckter Form weite, sondernsind auch in der Lehre tätig und richten vor allem selbst ihre Lebensgestaltung am tradierten „Kräuterwissen in neuen Schläuchen“ aus. In dem reich bebilderten „Heil-, Wildkräuter- Atlas“, angereichert mit Rezepten aus der Naturküche und Naturkosmetik geht es um die realistischen Verwendungsmöglichkeiten von Wild- und Heilkräutern in Küche, Körperpflege sowie Phytomedizin. Hier gibt es nichts oberflächlich übernommen Esoterisches oder Geheimnisumwittertes, wie es traditionell historisch dem Kräuterwissen („Kräuterhexen“) nachhängt. Ethische Aspekte, z. B. zur Naturerfahrung, werden dagegen in wohl dosierter Weise eingebaut: Wertschätzung der Ressourcen, die uns die Natur bietet. Auch ökologische Wechselwirkungen kommen zu Wort und Bild, Sachwissen zu den medizinisch-botanischen Eigenschaften der 26 weit verbreiteten, krautigen und langlebigen Pflanzen inbegriffen. Sowohl in Grafik und Text ist das Buch ein echter „Treffer“: Die botanisch aussagekräftigen Zeichnungen und Fotos setzen den ohnehin ansprechenden Texten noch ein „Sahnehäubchen“ auf. Mit den „Heilenden Wildkräutern“ haben diese beiden modernen, wissenschaftlich sorgfältig arbeitenden „Kräuterhexen“ – diese liebevoll gemeinte Bezeichnung sei mir erlaubt – den Fachbuch- und Praxismarkt um ein dem Zeitgeist gerechtes Werk bereichert.

  21. Landzettel, Marianne: Vielleicht haben wir noch 10 Jahre. US-amerikanische Bauern gehen neue Wege im Kampf gegen die Folgen der Klimakrise – Ein Reisebericht. ABL Bauernblatt Verl., Hamm, 2020, 22,00 Euro, ISBN 973-930413-68-3

    Die auf vielen USA-Reisen sorgfältige Vorortanalyse landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsformen auf Farmen und Ranchen mit erfolgreicher Umsetzung einer regenerativen, nachhaltigen, CO2-reduzierenden und die Biodiversität steigernden Landwirtschaft beschreibt kurz den Inhalt des Buches. Aufgrund der dort besonders augenfälligen Folgen des Klimawandels sind die USA geradezu prädestiniert für die Suche nach alternativen Lösungen. Aus den Recherchen geht eindrücklich hervor, wie amerikanische Bauern ihr häufig gegen viele Widerstände individuelles Agrarkonzept realisiert haben. Erfolg und Misserfolg sind dabei vorprogrammiert und werden dem Leser realistisch vermittelt. Die Kapitel selbst sind Reisebeschreibungen, die den Leser in das jeweilige Szenario mitnehmen und ihn an den Einzelbiografien der befragten Praktiker teilhaben lassen. Durch diese präzise Analyse von Istzustand, Zielvorgabe und Machbarkeitsfaktoren soll es möglich werden, mit sich bewährenden Methoden weitere ebenfalls problemorientierte „Pioniere“ ins Boot zu holen, eine der Ziele der Autorin. Insbesondere für hiesige Landwirte, die sich selbst dem Dilemma zwischen „Kommerz und Naturschutz“ stellen, ist das Taschenbuch lesenswert, selbst wenn die Landwirtschaft in den USA häufig sehr kritisch gesehen wird, nicht unberechtigt. Ab es gibt durchaus Alternativen wie man sieht. Das Taschenbuch ist keine Lektüre für das kurze Lesevergnügen, denn die einzelnen Kapitel sind spannend und informationsdicht und werden daher die Leserschaft ohnehin „bei der Stange halten“. Das lohnt sich aber auf jeden Fall frei nach dem Motto: “Es gibt Alternativen für klimafreundliche Landwirtschaft, packen wir’s an!“

  22. Haertl, Nadine: Die Selbstversorgerfamilie – unser Hof in Schweden, Rezepte für ein einfaches Leben. Cadmos Verl., München, 2020. 160 S., 18,95 Euro,
    ISBN 978-3-8404-3051-0

    Schon der Titel klingt nach gelebter Nachhaltigkeit und Wertschätzung dessen, was die Natur uns zum täglichen Leben bereithält. Genauso präsentiert sich auch das Buch selbst.
    Es beginnt mit einem sympathischen „Hej“, schwedisch für „Du“. Damit spiegelt sich schon eine Botschaft bzw. ein inhaltlicher Schwerpunkt dieses in jeder Hinsicht praxistauglichen Ratgebers für Selbstversorger wider: Die schwedische Lebensart unkompliziert und naturverbunden, so auch das Familiendomizil am Fluss, das sich unsere seit 2017 in Schweden lebende „Leitfamilie“ als Selbstversorgerparadies gestaltet hat. Nicht nur die im Buch vorgestellten Rezepte sind von Lebensmittelwertschätzung und nachhaltiger Ressourcennutzung aus eigenem Anbau geprägt, auch die sympathische Familie selbst, weder Aussteiger noch Querdenker, sondern Selbstversorger mit Köpfchen und Nachzieheffekt. Schön ist bereits die Einführung in die zum Teil an ein Filmdrehbuch erinnernde Auswanderergeschichte, denn es beginnt mit einer virtuellen Hofführung, dem vorgelebten Konzept der Selbstversorgung sowie dem Garten als Filmkulisse, die mit Leben gefüllt wird. Dann kommen Kapitel zu Rezepten, schmackhaften Gaben der Natur, Nutztieren, dem Nutzungspotenzial des Waldes, dem landestypischen Schwedenhaus und noch vieles rund um die schwedische Mentalität. Das Buch ist eine lesenswerte Verbindung von Landeskunde, Schwedenkultur als gutes Beispiel für das im Buch propagierte Versorgungsprinzip und ganz viel Herz(blut).

  23. Shia Su: Zero Waste – Weniger Müll ist das neue Grün. 6. überarb. Aufl., Freya Verl., Engerwitzdorf/Austria. 2020, 160 S., 14,90 Euro, ISBN 978-3-99025-273-4

    Ein Titel, der von der Sachlogik her zunächst ein wenig „um die Ecke denken“ verlangt, jedoch schon genau das sagt, was Shi Su uns in Praxis und Theorie nahebringen möchte. Die Mini-Müllmenge auf dem Cover ist dafür der, so gesehen, „lebende Beweis“. Wie man so etwas mit „Konsumieren plus Köpfchen“ hinbekommen kann, erklärt die Autorin auf motivierende Weise in ihrem Müll-Sparbuch. Dabei lässt sie nichts aus. Nach dem Konzept des Zero-Waste-Lebensstils, dem Einstieg in diesen geht es an die Alltagsbereiche, in denen Sparpotenzial besteht: Einkauf in allen nur erdenklichen Einkaufsquellen, Kochen und Vorratshaltung, Haushalt mit allem, was dazu gehört von Körperpflege, über das Bad, Kleidung bis hin zu Papiermüll und „Müll-Fakten“ mit einem Basteltipp und der Möglichkeit des Kompostierens. Der ungewöhnliche (Layout-) Stil des Buches, das als roten Faden immer wieder die munter formulierten eigenen Erfahrungen von Shia Su als Protagonistin widerspiegelt, beginnt bereits im Inhaltsverzeichnis, denn zu den Kapitelüberschriften gibt es jeweils ein Eyecatcher-Foto. Wer einmal in diesem Ratgeber geblättert hat, kann sich der Botschaft nicht mehr verschließen, denn auf nahezu jeder Seite finden wir einen kurzen, knackigen Mitmachtipp. Also ran an das „neue Grün“.

  24. Röttgen, Monika: Die klima-freundliche Küche. Freya-Verl., Engerwitzdorf/Austria. 2020, 287 S., 24,99 Euro, ISBN 978-3-99025-400-4

    Auf dem Cover fallen sofort die zwei Alleinstellungsmerkmale dieses auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausgerichteten Haushaltsratgebers auf: „Cooking for Future“ und „Ein Mitmachbuch“. Auch der propagierte „Wandel auf dem Teller“, ein dritter Slogan, ist gar nicht so schwer umzusetzen,. Er beginnt gleich spannend, wenn wir zunächst in einem Selbsttest erfahren, welcher klimafreundlich-Küchentyp wir sind. Neben vielen schmackhaften Rezepten, allesamt so zusammengestellt sind, dass sie größtmöglich klimafreundlich, sprich CO2-, Abfall- und energieeffizient, sind, gibt es viel umrahmendes Lesefutter, so z. B. zum „Klimakillerpotenzial“ in der Küche, zum nicht nur auf den Haushalt bezogenen Klimawandel, darunter auch ein informativer „Check“ verschiedener Einkaufsmöglichkeiten, selbstredend natürlich Sachwissen zu den Rezeptzutaten. Es ist ein breites Spektrum an Informationen für eine rundum umweltweltbewusste Haushaltsführung, das man sich ansonsten mühsam aus verschiedenen Quellen zusammensuchen müsste. Dabei werden auch Details angesprochen, auf die wir vielleicht von alleine gar nicht gekommen wären. So wird sicherlich noch der eine oder andere schlafende Hund geweckt“. Dieses Werk ist weit mehr als ein Rezeptbuch, eher ein Handbuch. Es lädt mit viel („Aha-“) Faktenwissen und einem gut strukturierten Layout nicht nur zum Nachkochen von beispielsweise Gemüse-, Fleisch- und getreidehaltigen Zubereitungen ein, auch zum bloßen Lesen. Der Rezeptteil wird somit nicht zum Schwerpunkt des Buches, sondern die vielseitige und insgesamt ganzheitliche Betrachtung der Zusammenhäng und Wechselwirkungen Klima – Ressourcenschutz – (Lebensmittel-) Abfallvermeidung und Haushalt. So salopp wie diese Buchvorstellung in manchen Punkten ist, so ist auch das Buch an geeigneten Stellen verfasst und macht daher die Lektüre noch motivierender. Weitere kreative Spielereien und planetengerechte Rezepte gibt es unter: http://www.klimafreundlich-kueche.de.

  25. Engelhardt, Dirk, Harfst, Michaela: Nachhaltig reisen – Die besten Ideen für Europa. DuMont Reiseverlag, Ostfildern, 2020, 240 S., 19,95 Euro, ISBN 978-3-7701-8475-0

    Leider hat der klassische Reisetourismus nicht gerade den besten Ruf, wenn es um Themen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit geht, denn oftmals sind insbesondere die Anreisewege kontraproduktiv. Doch dieser zeitgemäße Foto-Bildband“ zeigt, dass es auch anders geht. In knapp 300 kleinen Kapiteln erfahren wir, wie sich so eine Individual-Aktiv-Natur-Kultur-Schlemmer-Wellness-Reise ohne Flugzeug- und Autoanreise effektiv und mit möglichst wenig Aufwand organisieren lässt, vor allem, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Darunter sind sicherlich etliche, die wir salopp gesagt „noch gar nicht auf dem Schirm hatten“. Die Nachhaltigkeit beginnt bei der Quartiersuche, bezieht eine adäquate Ausrüstung mit ein, hilft bei der Buchung etc., informiert also insgesamt umfassend über alle Rahmenbedingungen, Möglichkeiten und Grenzen des nachhaltigen Reisens, so z. B. auch über „Work and travel“. Sehr hilfreich sind zudem die Insidertipps, die es grundsätzlich in jedem Reiseland zu beachten gibt, wie etwa Trinkgeld oder die Orientierung an zertifizierten Nachhaltigkeitssiegeln. Ob als Reise mit Lernpotenzial, auf dem Wasser, zu Fuß, mit dem Fahrrad und als Natur-Wellness-Urlaub, das Buch bietet ein breites Spektrum an Reisevorschlägen. Dabei geht es eben nicht um die Klassiker, sondern solche mit der (erfüllten) Erwartung einer individuellen Erlebniskultur abseits der großen Touristenströme. Diese kleinen Schätze vor Ort lassen einen mit „Nachhaltig reisen“ vorbereiteten Urlaub zu (s)einem ganz besonderen Erlebnis werden und das noch dazu mit einem richtig guten Gefühl des „praktizierten Umweltbewusstsein“.

  26. Fischer, Daniel, Fücker, Sonja et al.: Nachhaltigkeit erzählen – Durch Storytelling besser kommunizieren? DBU-Umweltkommunikation/Bd. 15, Oekom Verl., München, 2021, 178 S., 29,00 Euro, ISBN 978-3-96238-275-9

    Die wissenschaftlichen Erkenntnisse für diese ungewöhnliche Art, das klassische Storytelling (Geschichtenerzählern) auf komplexe Zusammenhänge der Nachhaltigkeitskommunikation zu übertragen, entstammen einem mehrjährigen Forschungsprojekt zur Kommunikationsforschung: Voraussetzung dafür war eine Teamarbeit von Wissenschaftler(innen) mit Fachleuten aus dem Journalismus- und Kommunikationsbereich (lohnenswert deren Kurzbiografien vorab zu lesen, um so die Bandbreite des Werkes einordnen zu können). Die Adressaten des hier praktizierten Storytellings sind demzufolge auch sehr vielfältig: (Fach-)Journalisten, in der Wissenschafts- und Unternehmens-kommunikation Tätige und nicht zuletzt privat Interessierte, die sich einmal auf ein historisch betrachtet gar nicht so neues Modell zur Verbreitung von Erfahrungswerten einschließlich alltagstauglicher Handlungsoptionen einlassen mögen. Grundsätzlich entspricht das Geschichtenerzählen einem natürlichen menschlichen Bedürfnis mit Impulssetzungen, die uns in vielen Lebenssituationen weiterbringen. So auch hier: Storytelling wird als ein praktikables Modell mit seinen Möglichkeiten und Grenzen vorgestellt mit dem Potenzial als wesentlicher Beitrag zur Nachhaltigkeitsentwicklung, deren Umsetzung und Zukunftsperspektiven. Im Hauptkapitel, den Fachbeiträgen, lesen wir Anwendungsbeispiele des Storytellings für die o. g. Adressatengruppe, die Hochschulbildung und bezogen auf Rezeptionsmechanismen. Zugegebenermaßen handelt es sich bei dieser umfangreiches Textsammlung um ein sehr spezielles, aber zukunftsträchtiges Randgebiet des Geschichtenerzählens. Doch es liest sich spannend und zeigt in anspruchsvoller, dennoch gut verständlicher Weise die Sinnhaftigkeit dieser hier modernen Form der Umweltkommunikation. Dazu muss man absolut nicht das gesamte Buch von vorne bis hinten lesen, sondern kann die Einzelbeiträge je nach Interesse separat nutzen. Das Vorwort sowie den Pro- und Epilog sollte man sich jedoch in toto vornehmen, als Einführung und Zusammenfassung. Letztendlich eröffnet „Nachhaltigkeit erzählen“ auch Perspektiven für weitere Themenbereiche, in denen Storytelling zur Darstellung und auch für Lösungsansätze komplexer Zusammenhänge einen Beitrag leisten kann.

  27. Eigner, Christian: Grüner leben nebenbei – Was jeder für Klima und Umwelt tun kann. Stiftung Warentest, Berlin, 2021, 223 S.16,90 Euro, ISBN 978-3-7471-0235-0

    Umweltschutz und eine nachhaltige Lebensweise für jedermann fangen im Kleinen an, so die übergeordnete Botschaft dieses Praxishandbuches mit Tipps wie man erst einmal (s)einen Blick für individuell praktizierbaren Umweltschutz bekommt, dazu Alltagstipps, die zum Teil verblüffend einfach umzusetzen sind, und ansprechend gestaltete Bilder. Sie kommunizieren per Sprechblasen mit dem Leser und stellen ihm Alternativen vor, wie man es besser machen kann. Das „Nachschlage-Mitmach-Umweltbuch“ beginnt mit einer anschaulichen Darstellung des aktuellen Klimazustandes der Erde als Wechselwirkung von Ursache und Wirkung. In den folgenden Kapiteln werden die die alltäglichen Hauptverursacher von negativen Ökobilanzen wie Einkaufen, Verpackung, Essen. Trinken. Haushalt, Garten, Wohnen, Energie, Mobilität, Freizeitverhalten und Finanzen handlungsorientiert analysiert. Innovativ im Hinblick auf die Art der Informationsvermittlung sind die o. g. „sprechenden Bilder“ mit schnell greifbaren Sachinformationen, ein sehr abwechslungsreiches Gestaltungselement, das dazu anregt, sein Alltagsverhalten einer kritischen Prüfung zu unterziehen – ohne erhobenen Zeigefinger wohlgemerkt. Sehr leserfreundlich sind zudem die vielen kleinen Abschnitte, die einzeln per Schlagwortverzeichnis zur Beantwortung persönlicher Fragestellung abgerufen werden können. Das gesamte Buch macht einen sehr lebendigen Eindruck, nicht zuletzt wegen der ausgewogenen Mischung von Kompaktwissen, Insidertipps, Konsumempfehlungen und den Grafikelementen. Sehr hilfreich ist der abschließende „Blick über den Tellerrand“: fundierte Anlegertipps im Umweltbereich.
    Aus fachlicher Sicht betrachtet, was die Sorgfalt der Recherche, die Aktualität der (Vergleichs-) Daten zu Nachhaltigkeitskriterien und die daraus resultierenden Praxistipps etc. anbetrifft, wird hier unter Beteiligung der Stiftung Warentest und bundesweit agierender wissenschaftlicher Institute viel Expertenwissen geboten. Wer sich den einen oder anderen Vorschlag der zur „Gesundheitsförderung für die Erde“ propagierten Handlungsoptionen zu eigen macht, wird nicht nur sich selbst etwas Gutes tun, sondern auch seine „Tropfen auf dem heißen Stein“ hinterlassen.

  28. Vilgis, Thomas A.: Einfach essen! Hirzel Verl., Stuttgart, 2020, 291 S., 26,00 Euro, ISBN 978-3-7776-2845-5

    Dieses Sachbuch gleicht einer Biografie der menschlichen Ernährung in Form einer Zeitreise. Es beleuchtet „unser Essen“ aus vielerlei sachkritisch orientierten Blickwinkeln, so beispielsweise (Halb-)Wahrheiten um moderne Ernährungsweisen. Die oftmals ironisch- provokativ formulierten Kapitelüberschriften machen das bereits beim Blick in das Inhaltsverzeichnis deutlich. Es gibt drei Hauptkapitel: Auf die Evolution unserer Ernährung und daraus resultierenden Traditionen folgt die Gegenwartsbetrachtung, in der neben Mythen rund um Ernährungsphilosophien potenzielle negative Begleiterscheinungen wie Nitrosamine, Glyphosat, Unverträglichkeiten u. ä. einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Häufig sogar nahezu militant propagierte Ernährungstrends kommen anschließend auf den Prüfstand. Wo ist die deutsche Esskultur geblieben, falls es diese überhaupt je in einer klassischen Form gegeben hat? Darum geht es auch noch. Ein umfassend dokumentierter Aufruf zur dringend notwendigen Reflexion unseres Konsumverhaltens prägt das folgende Kapitel, bevor der Autor einen Blick in die Enährungszukunft wagt incl. des Klassikers der Nutzung von Insekten als zeitgerechte Alternative. In jedem Kapitel erhält der Leser allerlei Sachinformationen, die für die Bildung seiner eigenen Meinung unerlässlich sind. Gerade derartige Erklärungen und die Analyse von verstreckten Zusammenhängen könnten dazu führen, dass sich eine Art Panik beim Verbraucher breitmacht, denn nun könnte er doch vollständig verwirrt sein bei den vielen (Negativ-)Meldungen über „Einfach Essen“. Doch dem ist nicht so: Im Schlusskapitel gibt es viele Anregungen, wie mithilfe nicht nur des gesunden Menschenverstandes, sondern auch mit Kreativität vieles relativiert werden kann. Entscheidend ist dabei die reflektierte Betrachtung von Trendinformationen und einfach mal hinterfragen. Dieses Buch ist wahrhaftig keine leichte Lektüre, dafür aber spannend und inhaltsdicht. Da macht es sich besonders gut, dass in loser Folge Rezepte für Gerichte eingestreut sind, von denen wir wohl in „unserer Küchentradition“ noch nie etwas gehört haben dürften wie Hirsefladen, Bierbrot oder knusprige Schokomilchhaut.

  29. Schmid, Wilhelm, Schlaiß, Helmut, Neubronner Eberhard: Das Feld – Die Wirtschaft – Der Koch, Besuch bei einem Optimisten auf der Schwäbischen Alb, Helmut Schlaiß Verl., Langenau, 2020, 180 S., 39,80 Euro, ISBN 978-3-9816847-8-0

    Ehrlich, authentisch, auch in manchen Passagen ein wenig skurril, mit einigen (kulinarischen) Geheimnissen und lebens(mittel)wertschätzend („Weil jedes Lebewesen ein Lebensrecht hat und mich alles Gewachsene interessiert.“, S. 9) sind einige der Attribute, die man dem Werk zuweisen kann. Was sich hinter dem Titel dieses Foto-Textbandes mit herrlichen Naturaufnahmen, appetitanregenden ganzseitigen Fotos von Gerichten mit nicht immer alltäglichen Zutaten verbirgt und was ein Optimist hier zu suchen hat, bleibt zunächst ein wenig mysteriös und erweckt Neugier darauf, wie es wohl weitergeht. Als im ersten Kapitel zum Winter, betitelt mit „Der Isodon“ (entpuppt sich als struppige „Dong Long Cao“, heimisch in China) die Begegnung eines anonymen Besuchers in dem auf der Schwäbischen Alb versteck liegenden Lokal „Feld-Wirtschaft“ mit dessen Betreibern dazukommt, ist mein Interesse endgültig geweckt. Diese „Erlebnisberichte“ setzen sich auch in den folgenden Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst fort, jeweils beginnend mit der darin „verpackten“ Vorstellung einer ungewöhnlichen Nahrungspflanze. Alle ca. 50 Rezepte zu Vor-, Haupt- und Nachspeisen sowie zwei weiteren „Schmankerln“ sind jahreszeitentypisch gewählt.
    Die Gerichte, die Art und Weise wie Wilhelm Schmid und Susanne Kopp ihre Gastwirtschaft mit dem entsprechenden Naturambiente gestaltet haben und wie sie ihre Küchenphilosophie leben, dabei „sehr bewusst abseits ausgetretener Pfade mit großem persönlichen Einsatz ihren Weg gehen“ (Vorwort), machen dieses ungewöhnliche Lese-Rezeptbuch zu einem ganz besonderen Vertreter seiner Art.

  30. Drösser, Christoph, Coenenberg, Nora: Es geht um die Wurst – Was du wissen musst, wenn du gerne Fleisch isst. Gabriel in der Thienemann-Esslinger Verl. GmbH, Stuttgart, 2021, 112 S., 14,00 Euro, ISBN 978-3-522-30581-5

    Salopper Titel – Inhalt aufklärend, informativ, sachlich und zwar in einer Form, geeignet, um bereits Kinder, die ja noch gar nicht bzw. kaum für ihr Ernährungsverhalten verantwortlich sind, anzusprechen. Es geht keineswegs darum, eine Lanze für Vegetarismus und Veganismus zu brechen oder Fleischkonsum zu „verteufeln“, ganz im Gegenteil: Es gibt dem jugendlichen Leser entscheidende Informationen für seinen eigenen Entscheidungs- und Beurteilungsspielraum bzgl. Fleisch essen, Tiere lieben und trotzdem essen (?), verhaltensgerechter Tierhaltung und den Folgen von Nutztierhaltung, Fleischproduktion bzw. -vermarktung im Vergleich zu Pflanzenkost. Auch das Layout passt zum Adressatenkreis: große Schrift, themengebunden farblich unterlegte Seiten, inhaltlich sinnvoll reduzierte grafische Darstellungen, gute Abwechselung zwischen auch mal längeren Texten und zeichnerischen Elementen, als Beispiel einer der lehreichen Grafiken die ganzseitige Übersicht zu den um 1900 in Bayern genutzten Rinderrassen und den heute noch verbliebenen 3 Rassen (Stichwort Bedrohte Arten). Aber es geht nicht „um die Wurst“ alleine“. Welche Evolution hat die menschliche Ernährung durchgemacht?“ „Welche Ernährungsformen und Zubereitungsweisen von Fleisch gibt es, so auch vor dem Hintergrund verschiedener Weltreligionen?“ Dieses sind nur einige Beispiel für die inhaltliche Vielfalt des Buches. Hier redet das Autor-Illustratorin-Team weder etwas schön noch wird etwas unreflektiert verurteilt, sondern sachlich aufgeklärt, wie es um unseren Fleischkonsum und seine potenziellen Folgen bestellt ist. Sowohl Kinder als auch ihre Eltern haben damit eine kompetente Entscheidungshilfe für ihren (Ernährungs-)Haushalt in der Hand.

  31. Rossmann, Dirk: Der neunte Arm des Oktopus. Bastei Lübbe, Köln, 2020, 400 S., 20,00 Euro, ISBN 978-3-7857-2741-6

    Eine wissenschaftlich unterlegte Zukunftsvision zum Klimawandel als realistisch anmutende Reise ins Jahr 2100 wie ein Science-Fiction-Szenario? Leider nein, denn das, was Rossmann in seinem Umweltthriller vorhersieht, nämlich dass der Klimawandel menschheitsbedrohend werden wird, seine Anonymität verliert und auch bei uns „vor der Haustür steht“, kann nach der Lektüre niemand mehr leugnen. Durch die spannend geschriebene Verknüpfung von mehreren Handlungssträngen zur Weltpolitik der drei Großmächte USA, China, Russland, die – man höre und staune – eine Klima-Allianz ins Leben (!) rufen, zu selbstsüchtigen Wirtschaftsinteressen, gekoppelt mit Lobbyismus, mutigem Einzelkämpfertum und sauber recherchierten wissenschaftlichen Hintergründen kommt die Weltordnung ins Wanken. Zum Thema Wissenschaft: Der Bericht vom 21.11.2022 (S. 88 ff.), in dem er auf verblüffend-mitreißende Weise in einem Gespräch mit der Wissenschaftlerin Sy Montgomery die Rolle des Oktopus als Symbol für den „Ursprung des Lebens“ (S. 96) das Geheimnis des Buchtitels lüftet sowie Anspielungen auf aktuell schon beschrittene Wege zur Nachhaltigkeit geben diesem Buch eine zum Thema unbedingt notwendige Seriosität und vermitteln gleichzeitig Wissen. In diesen Kontext fügt sich auch gut der mit Kriminalromanelementen gespickte Handlungsstrang um das Konfliktpotenzial mit der brasilianischen Regierung zum Stopp der Regenwaldabholzung ein. Hier kommt schließlich einer der Protagonisten ins Spiel, der Koch Ricardo, und die brutale Vorgehensweise eines seiner Gegner, eines afrikanischen Waffenhändlers. Der Roman ist mehr als eine Feierabendlektüre mit Unterhaltungswert: Er rührt an, rüttelt auf, regt zur Reflexion des eigenen Umwelt- und Konsumverhaltens an mit durchaus motivierenden Komponenten. Fazit: absolut lesenswert.

  32. Kintrup, Martin: Food for Future – Das restlos gute Kochbuch: nachhaltig klimafreundlich und lecker. Südwest Verlag, München, 2020, 192 S., 22,00 Euro, ISBN 978-3-517-09899-9

    Der Untertitel des Buches sagt in Kürze schon alles, was dieses Buch ausmacht: ein Kochbuch mit unkonventionellen, zum Teil mutigen Rezepten, die auf der nahezu restlosen Verwertung von Lebensmitteln basieren, somit mehreren aktuellen und notwendigen Forderungen gerecht werden: etwas gegen Lebensmittelverluste tun, dazu eine so geringe Klimabelastung wie möglich verursachen und folglich auch die Forderung nach Nachhaltigkeit erfüllen. Doch nun zum kulinarischen teil: Die Rezepte laden schon aufgrund der Fotos zum Ausprobieren ein. Für die vollwertigen Gerichte werden durchgängig auch eher ungewöhnliche Zutaten (zumindest für die „traditionelle Küche“) verwendet, etwa geröstetes Sesamöl, Schwarzkümmelsamen oder Hanfsamen. Doch alles wird zu harmonischen Kompositionen mit oftmals „exotischer“ Note kombiniert. Aber Klassiker, zum Beispiel Pasta mit Brokkoli und Schinken oder mit Spinat und Pilzen sind ebenfalls vertreten, also für jeden Geschmack etwas. Tipps zum nachhaltigen Kaufen, zu nachhaltigen Lebensmitteln überhaupt, Anbau-, Vorrats-, Lagerungshinweise, vogel- sowie insektenfreundliche Gärtnern, dieses alleine und im Team werden im Schlusskapitel ausführlich beleuchtet. Alles in allem: ein rundherum gelungenes Kochbuch mit „Mehrwert“ in vielerlei Hinsicht, gedruckt auf „Paper from responsible sources“ selbstredend.

  33. Kurdyumov, Nikolay: Clever gärtnern leicht gemacht – Selbstversorgung Permakultur. Organischer Landbau Verlag Kurt Walter Lau, Kevelaer, 2019, 368 S., 24,95 Euro, ISBN 978-3-922201-94-6

    In seinem mit comicartigen erklärenden Zeichnungen unterlegten Textband zu Möglichkeiten, den eigenen Garten „Eden“ für ein „erfolgreiches Lebens“ zu nutzen, so der russische Garten- und Permalkulturexperte N. Kurdyumov, werden praktikable, vor allem nachhaltige Methoden zur Anzucht und Kultivierung von Kräutern und Gemüsen beschrieben und durch viele Sachinformationen rund um Permakultur bereichert. Da kann es auch schon einmal in den leicht philosophischen Bereich hineingehen, der auch Kurdyumovs persönliche Einstellung zum Thema widerspiegelt. Dass Pflanzen als „Mitwesen“ nicht nur wertvolle Perma-Ressourcen für die Ernährung sind, sondern durchaus ihr dynamisches Eigenleben haben, gehört beispielsweise zu diesen Exkursen. Das betrifft sowohl ihre Umweltansprüche als auch gemäß I. E. Ovsinskij ihren Status als „Wesen mit Selbsterkenntnis, Empfindlichkeit und ‚aktivem Selbstverständnis‘ “, die mit dem entsprechenden Respekt behandelt werden müssen. Der Autor bemüht sich mit Erfolg um eine ganzheitliche Betrachtungsweise zum Umgang mit Nahrungspflanzen. Neben den die Gartenpraxis betreffenden gut verständlichen Anleitungen von der Bodenaufbereitung bis zur Ernte bietet Kurdyumov viel zum Lesen. Dadurch wird diese umfassende Handreichung zwar sehr textlastig, doch es lohnt sich, seinen Insider- Ausführungen zu folgen. Die Tipps zur Lesart des Buches sollte man schon beherzigen, denn damit werden mögliche unnötigerweise vorhandene Hemmschwellen gegenüber der eigenen Initiative zur nachhaltigen, lebensmittelwertschätzenden Wirtschaftsweise im eigenen Garten ganz schnell in motivierende Experimentierfreude umgewandelt.

  34. Hiekmann, Stefanie: Frisch geerntet – Heimisches Gemüse raffiniert aufgetischt. Dorling Kindersley Verlag, München und „Die Gemüsegärtner“, Bramsche-Kalkriese, 2020, 159 S.,19,95 Euro, ISBN 978-3-30006-6906-4

    Frisch geerntete, nachhaltig gezogene Gemüse als Grundlage dieser zeitgemäßen „Menüfolge“ als innovatives Kooperationsprojekt zwischen den „Gemüsegärtnern“ aus Bramsche-Kalkriese und der versierten Journalistin, Kochbuchautorin, Gastronomiekritikerin und Food-Fotografin Stefanie Hiekmann als „Küchenchefin“. Dabei sind neben wissenswerten Informationen rund um die verwendeten Frischgemüse, nahezu alle kultiviert in der Region Osnabrück, pro Gemüse 1-2 Zubereitungsvorschläge entstanden. Bevor es an die Rezepte geht, stellt zunächst das „Gemüsegärtner“-Team sich, seinen nicht alltäglichen Werdegang sowie sein nachhaltig ausgerichtetes Wirtschaftskonzept vor. Im „Prolog“ des zeitgemäßen Kochbuches kommt klar heraus, dass mit diesem Buch auch etwas gegen Lebensmittelverschwendung getan werden soll. Der Rezeptteil ist nach den jeweils als Hauptkomponente verwendeten Gemüsesorten gegliedert, nach dem Prinzip „M“ für „Möhren“ und „K“ für „Kartoffeln“, jeweils eingeführt durch ein Kurzportrait dazu. Dann folgen die in Teamarbeit entwickelten Gerichte, allesamt mit Individualcharakter, daher auch besonders reizvoll, was das Ausprobieren anbetrifft. Als „Epilog“ gestalten sich die Schlussseiten mit Bezugsquellen und der Entstehungsgeschichte des Buches. Wer Mut hat, aus der Alltagsküche ein wenig auszubrechen und mal etwas Neues mit Gemüse auszuprobieren, dem kann ich dieses Buch empfehlen (Bezugsquelle: https://die gemuesegaertner.de/gemuesegaertner-kochbuch-frisch-geerntet/).

  35. Jourdane, Jim (Illustrator), Kirsch, Anne-Mirjam (Übersetzerin): Forscherpech: Wissenschaft in freier Wildbahn. Verlag Ludwig, Kiel, 2018, 76 S., 17,00 Euro, ISBN 978-3-86935-352-4

    Seriöse Naturwissenschaften als Kuriositätenkabinett? Geht so etwas überhaupt, möchte einem „wissenschaftsgläubigen“ Zeitgenossen sicherlich als erstes durch den Kopf schießen. Es geht, wie die zum Teil unglaublichen Missgeschicke und häufig nicht ganz ungefährlichen mitmenschlichen Begegnungen von 25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Archäologie, Vulkanologie und Biologie mit ihren doch zuweilen recht „speziellen“ Teildisziplinen vorführen. Sowohl die inhaltliche als auch Layoutgestaltung ist genauso ungewöhnlich wie das Thema selbst: handschriftähnliche Schrifttypen und angenehm eigenwillige Comics bzw. karikierenden Zeichnungen. Jim Jourdan zeichnet quasi aus dem Leben der Protagonistinnen und Protagonisten, so dass die Leser mit etwas Fantasie und natürlich einer gehörigen Portion Humor das Befinden im Moment der betreffenden Forschungssituation erahnen können. Dabei kommt natürlich auch die echte Wissenschaft nicht zu kurz, nur eben in sehr populärwissenschaftlicher Form mit einem hier im inhaltlichen Sinne des Buches verzeihlichem vermenschlichendem Hintergrund. Es macht Spaß in diesem Buch zu blättern und sich dabei die launigen Erlebnisse zu Gemüte zu führen. In vielen Episoden glaubt man „Das kann doch wohl nicht wirklich passiert sein…“ Doch es ist, so wie zum Beispiel das selbst am Krokodil kleben bleiben bei dem Versuch auf seinem Panzer einen Sender anzubringen. Dagegen klingt die Begegnung mit Drogenschmugglern oder die mit dienstbeflissenen Ordnungskräften schon fast banal. Doch ich will nicht zu viel verraten. Jede Einstiegsseite zu einem der Abenteuer bietet eine Kurzdarstellung als Appetizer. Aber der Wissenschaftscomic lebt nicht vom textlichen Forscherpech allein. Erst die kreativen, oftmals wie ein Filmausschnitt daherkommenden Zeichnungen machen das Buch zu dem was es ist: zwar Forscherpech, aber Leserglück.

  36. Fuchs-Gamböck, Michael: Beste Reste – 40 Promis kochen mit den Resten aus ihrem Kühlschrank. 3H-Verlag, Augsburg, 2020, 191 S., 29,50, ISBN 978-3-9819878

    „Beste Reste, ein innovativer Beitrag gegen Lebensmittelverluste, ist ein Buchprojekt, das vom 3H-Verlag mit Unterstützung von „Slow Food“ sowie weiteren Partnern umgesetzt wurde. Zu ihnen gehören nicht zuletzt die 40 medienpräsenten “Promis“, die für diese Rezeptsammlung Kühlschrank und Kochtopf geöffnet haben. Das nachhaltig ausgerichtete Restekochbuch sollte somit auch einen gewissen „Nachzieheffekt“ haben, denn der eine oder andere „Promi“, darunter das Ehepaar Siegel, Heinz Rudolf Kunze, Michaela May, Sarah Wiener, Konstantin Wecker, Carsten Ramelow und Hansi Kraus nutzen hier ihren „Promistatus“ für ein sinnvolles Anliegen, völlig unkompliziert und praxisnah, frei nach dem Motto: „So wenig wie möglich an Lebensmittelresten wegwerfen (müssen), und soviel wie möglich kreativ und schmackhaft wiederverwerten“. So gestalten sich auch ihre Rezeptvorschläge. Diese sind leicht nachzumachen und können aus den in fast jedem Haushallt anfallenden Lebensmittelresten zubereitet werden: Resterltarte, Brezensuppe, Pizzavariationen oder eine Knödelpfanne mit Wirsing. Allein schon das Durchblättern des mit großformatigen Fotos und in einem munteren Layout in Wort und Bild gestaltete Buch, im dem selbstverständlich auch die Promis selbst „aus dem Nähkästchen, besser aus dem Kochtopf plaudern, lässt uns das Wasser im Munde zusammenlaufen mit einem guten Bauchgefühl im doppelten Sinne: Zum einen, weil’s gut schmeckt und zum anderen, weil damit ein individueller Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung geleistet wird, so auch durch die Nutzung der als „Dessert“ vorgestellten Apps zur Lebensmittelrettung.

  37. Rubach, Malte: Die Ökobilanz auf dem Teller – Wie wir mit unserem Essen das Klima schützen können. Hirzel Verl., Stuttgart, 2020, 240 S., 18,00 Euro, ISBN 978-3-7776-2876-9
    Die Bereitschaft zur Leistung (m)eines Beitrags zum globalen Klimaschutz fängt im Kleinen an. Hier bewahrheitet sich das Sprichwort „Kleinvieh macht auch Mist“, denn Klimaschutz fängt buchstäblich auf dem Teller an – als Symbol stellvertretend für viele Alltagssituationen, die beispielsweise zur Reduzierung von Wasserverbrauch oder CO2-Emissionen geeignet sind. Das Buch beginnt mit zwei ausführlichen Kapiteln als eine Art Bestandsaufnahme zum Leben gestern und heute, jeweils mit Blick auf die Wechselwirkungen zwischen Klimafaktoren, Lebensmittelangebot und -konsum, modernen und auch oftmals geradezu militant vertretenden Ernährungstrends sowie Lebensmittelverschwendung. Der Autor schlägt sich nicht pauschal auf eine Seite, sondern überlässt uns die Entscheidung zwischen „Kalkulation und Gefühl“, wie er es nennt: „Schließlich schaffen wir mit unseren Entscheidungen erst die Nachfrage für bestimmte Produkte.“ (beide Zitate, S. 151). Statistische Angaben, etwa zum Wasserverzicht beim Duschen oder Baden, um den Wasserverbrauch zur Bereitstellung von 1 Gramm Eiweiß aus verschiedenen proteinhaltigen Lebensmitteln (Soja, Linsen Fleisch) aufzufangen, wirken ernüchternd. Im dritten Teil geht es um Zukunftsperspektiven, so die (kritische) Betrachtung von Fleisch- und Milchalternativen. Wer nun von diesem Buch vielleicht zunächst erwartet hatte, einen Spiegel vorgehalten zu bekommen, was er alles falsch mache im Hinblick auf Klimabelastung, der merkt recht bald, dass dem nicht so ist. Der Autor wägt jeweils ohne „Schwarz-Weiß-Malerei“ das Für und Wider von Alltagsverhaltensweisen, Ernährungsweisen und -trends etc. ab und gibt dort Tipps, wo sie umsetzbar sind. Das mit viel aktuellem Datenmaterial angereicherte Buch ist anspruchsvoll geschrieben und sicherlich keine leichte Sofalektüre. Es zeigt in der Quintessenz, wie über die Bewusstmachung alltäglicher Konsumgewohnheiten kleine „Umweltsünden“, die in ihrer Gesamtheit den ökologischen Fußabdruck in den Negativ- bzw. Gefahrenbereich geraten lassen, zumindest reduziert, werden können.

  38. Johnson, Bea: Zero Waste Home – Glücklich leben ohne Müll. Ludwig Verl., Kiel, 2016, 360 S. 43 S/W-Abb., 19,90 Euro, ISBN 978-3-86935-292-3

    „Null Abfall“ für zuhause. Wie das geht beschreibt die zu diesem Thema erfahrene Praktikerin und Autorin B. Johnson für nahezu alle Bereiche des täglichen Privat-, Berufs-, Schul- und „Feiertagslebens“ sowie für Urlaubs- und Reiseaktivitäten. Man kann sowohl sogleich mit einer empfehlenswerten Neugier gezielt auf die jeweiligen Müllvermeidungstipps zugreifen, sollte jedoch erst einmal das Einleitungskapitel dieses informativen Buches lesen, um so eine kompetente Einführung in die Problematik des steigenden Müllaufkommens zusammen mit einer Übersicht über die persönlichen Möglichkeiten dagegen zu erhalten. Das angenehm individuell gefärbte Vorwort dient dabei geradezu als „Appetizer“, denn darin findet der eine oder andere vermutlich viele Identifikationsmöglichkeiten. Das gesamte Buch hat etwas von einem sukzessive zu erarbeitenden Selbstlernprogramm mit dem Lernziel, die Leserschaft „anzuleiten“, wie gezielt im eigenen Umfeld Müllreduzierung funktionieren kann. Also einfach mal unter einem Stichwort, das im Alltag regelmäßig von Bedeutung ist, wie z. B. „Lebensmittel“ (erfreulich die vielen Tipps gegen Lebensmittelverschwendung!) oder „Waschmittel““ nachlesen und dann gleich Gebrauchsanweisungen bis hin zu rezeptartigen Handreichungen (z. B. wie man selbst müllfrei Scheuerpulver herstellen kann) erhalten, leicht umsetzbar, umweltfreundlich und zumeist auch preiswerter als das entsprechende Fertigprodukt. Mein Fazit: Dieses Handbuch zur Müllvermeidung hat seinen Platz neben dem Lieblingskochbuch verdient.

  39. Gratzel, Dirk: Projekt Green Zero – Können wir klimaneutral leben? Mein konsequenter Weg zu einer ausgeglichenen Klimabilanz. Penguin Randomhouse Verlagsgruppe, München, 2020, 256 S., ISBN 978-3-453-28129-5, 15,00 Euro

    Das ist wirklich schon ein großes, mutiges Ziel, dem sich der Verfasser hier verschrieben hat. Es erfordert eine Menge Selbstdisziplin, Anfeindungen, auch mal andere nerven mit klugen Ratschlägen und dem „erhobenen Zeigefinger“. Doch Glatzel nimmt das alles in Kauf , um seinen persönlichen Beitrag zu einer klimaneutraleren Lebensweise durchzukämpfen, in Form einer „Politik der kleine Schritte“, die zum Mitziehen anregen, aber sicher auch von dem einen oder anderen kritisch gesehen werden. Das ganz im Sinne eines nachhaltig denkenden und auch handelnden Humoristen geschriebene Vorwort stammt von Eckart von Hirschhausen und macht gespannt auf den folgenden in manchen Bereich nahezu abenteuerlich anmutenden Erlebnisbericht mit ebenfalls humoristischen und auch (selbst)ironischen Anklängen. Eines kommt klar heraus: man muss sich eines Problems bewusst werden, es auch auf sich beziehen, Änderungsmöglichkeiten erkennen und diese – auch manchmal gegen den inneren Schweinehund – durchsetzen und das schlussendlich in vorgelebter Form kommunizieren. Das Buch macht dazu reichlich gute, praktikable Vorschläge, die weit mehr sind als nur der berühmte „Tropfen auf den heißen Stein.“ mit der offenkundigen Botschaft: „Fange bei dir an, dann kannst auch du im Alltag etwas zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz beitragen.“

  40. Rüther, Manuela: Micro Greens – Micro Leaves – Grüne Power aus dem Küchengarten – Anbau, Sorten, Rezepte. AT Verl., Aarau, München. 2017, 150 S., 150 Farbfotos, 24,00 Euro, ISBN 978-3-03800,948-1

    Manuela Rüther stellt in diesem „schmackhaft“ gestalteten Rezeptbuch eine Vielzahl erprobter Rezepte mit ganz besonderen Pflanzenprodukten vor. Damit kommt ein Trend aus den USA auch zu uns herüber, der Potenzial hat: Micro Leaves, die jungen, zarten „Erstlingsblätter“ (auch als Grünkraut oder Microgrün bezeichnet) gängiger und auch weniger bekannter Gemüse-, Getreide sowie (Gewürz-)Kräutersorten von Alfalfa, Amarant über Brokkoli, Erbsen und Fenchel, Grünkohl bis hin zu Kohlrabi, Kresse, Leindotter, Sauerampfer, Weizen und Wirsing, um nur einige Beispiele zur Bandbereite an Pflanzen zu nennen, deren „Micro Leaves“ zu einer Form von „Superfood“ werden können. Wie man selbst diese jungen Blättchen ziehen kann, welche fachlichen und ausstattungsmäßigen Vorgaben notwendig sind, auch wo Fehlerquellen liegen, zudem was sie dem Körper Gutes tun können, wird vor dem eigentlichen Rezeptteil anschaulich beschrieben. Dann kann’s losgehen. Ob als Brotbelag, im Eintopf, als Gemüsebeilage, in einem Pesto, die Verwendungsmöglichkeiten von Grünkraut sind vielfältig. Ob in vegetarischen oder fleisch- bzw. fischhaltigen Zubereitungen, sie sind eine feine Ergänzung der herkömmlichen Küche, zumal sie sich nachhaltig selbst ziehen lassen. Das macht dazu noch Spaß zu sehen, wie sich die Pflänzchen entwickeln. Sowohl Aufzucht als auch das Ausprobieren des einen oder anderen Rezeptvorschlags sind die Erprobung wert und macht Appetit auf mehr.

  41. In eigener Sache…

    Schelle, Petra: Das unschlagbare Trio und das Geheimnis von Schloss Arcanum. 2. Aufl., STA-Verl, Gessertshausen, 2020, ISBN 978-3-936776-43-0

    Was hat die Kurzvorstellung eines Jugendbuches mit „Lebensmittelwertschätzung“ zu tun? Ich sehe hier eine ganz logische Verknüpfung. Kinder und Jugendliche besitzen eine „gesunde Portion“ Neugier, sind kreativ, haben Fantasie und sind begeisterungsfähig. In diesem Buch geht es genau um diese Eigenschaften, die sogar auf eine Belohnung warten: Schloss Arcanum, ein Internat für Kinder mit eben diesen und anderen außergewöhnlichen Fähigkeiten, ein zudem sehr geheimnisumwitterter Ort, ist plötzlich verschwunden. In einem Spiel „gegen die Zeit“ begeben sich Chiara, Joel und Alex auf eine Zeitreise, um das Schloss zu retten. Mehr wird nicht verraten. Nun der Clou: bis zum 31. Dezember 2020 können die Leserinnen und Leser selbst Vorschläge zum Ausgang des Abenteuers einsenden (STA-Verlag, Grasweg 2a, 86459 Gessertshausen oder schloss_arcanum@sta-verlag.de) und so im Idealfall als Co-Autoren am Band II der Geschichte mitmachen. Natürlich gibt es viele tolle Preise zu gewinnen. Details unter http://www.sta-verlag.de

  42. Hunt, Tom: Essen für die Zukunft –
    Mit über 80 Rezepten: pflanzlich, abfallfrei, klimaschonend. DuMont Buchverl., Köln, 2020, 36,00 Euro, ISBN 978-3-8321-9981-4

    Tom Hunt ist zusammen mit seinem Netzwerk an Experten ein Vorreiter, wenn es um schmackhafte Ernährungstrends auf nachhaltigem, und Fairtrade basierendem Wege geht. Alle zum Teil für „unseren Gaumen“ auch mal ungewöhnlichen Vollwertrezepte mit z. B. Hanfmilch, Orzotto-Gerste oder einem Dukkah-Dip aus Ägypten wurden auf den Prämissen des “Root-to-Fruit-Prinzips: Von der Wurzel bis zur Frucht“ entwickelt, zudem saisonal, mit Herkunftsnachweis, minimaler Lebensmittelverschwendung, pflanzlich, Wild- und Regionalzutaten. Neben den Fotos, bietet Hunt ca. 50 einführende Seiten rund um nachhaltig orientierte Küche mit vielen anschaulichen Grafiken und reichlich Motivationsfaktoren zum Mitmachen, vielleicht sogar zum Umdenken. Es sind nicht nur die Rezepte, die dieses Buch so nutzenswert machen, sondern das hier propagierte und praktizierte Gesamtkonzept aus individuell machbaren Beiträgen, die letztendlich in toto zur Verbessrung des angespannten Zustandes der Erde beitragen. Viel Wissenswertes zu Lebensmitteln schlechthin, z. B. Sauerteigherstellung in Eigenregie oder Fermentation runden die oftmals angenehm „speziellen“ Rezeptideen ab. Einfach mal einlassen auf diese Art der nicht nur für den menschlichen Körper ganzheitlichen Ernährungs- bzw. Handlungsweise. Es ist spannend und motivierend zugleich.

  43. Partner-Schulen für Slow-Food-Bildungsprojekt Edible Connections gesucht PRESSEINFORMATION – Berlin, 29. Juli 2020 Im Rahmen des Projekts Edible

    Connections begegnen Schüler*innen aus Deutschland virtuell Lernenden aus dem globalen Süden, um sich über ihre Ernährungsgewohnheiten und -traditionen auszutauschen. Ziel ist es, dass die Jugendlichen Ernährung im globalen Kontext sehen und verstehen lernen, um dann gemeinsam Lösungen für ein zukunftstaugliches Lebensmittelsystem zu entwickeln. Zur Weiterführung des Bildungsprojektes im Schuljahr 2020/21 sucht Slow Food Deutschland Schulklassen der Sekundarstufe 1 und 2 im gesamten Bundesgebiet, die daran mitarbeiten möchten.Die Teilnehmenden lernen, die internationalen Verflechtungen von Erzeugung, Handel und Konsum unserer Lebensmittel besser zu verstehen und mit biokultureller Vielfalt respektvoll umzugehen. Hierfür treten Schüler*innen aus Deutschland in einen mehrmonatigen Dialog mit Schulklassen oder Lebensmittelerzeuger*innen aus dem globalen Süden. Um dies in Echtzeit und unmittelbar tun zu können, nutzen sie Videokonferenzen und soziale Medien. Ausgetauscht werden u.a. Fotos und Videos von Exkursionen und Rezepten. In insgesamt drei Terminen reflektieren die Teilnehmenden die Zusammenhänge des globalen Handels, erkunden ihre lokale Einkaufsrealität, lernen die kulinarischen Traditionen ihres Partnerlandes kennen und erarbeiten gemeinsam Lösungen, unser Lebensmittelsystem nachhaltiger zu gestalten. Gesucht werden aktuell Schulklassen der Sekundarstufe 1 oder 2, die an dieser virtuellen ‚Reise‘ teilnehmen möchten. Gefördert wird das Projekt von Engagement Global und Brot für die Welt, so dass den teilnehmenden Schulen keine Kosten entstehen. Das Projekt inklusive der Live-Calls kann digital durchgeführt werden, sollte der Präsenzunterricht durch Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie eingeschränkt sein. Interessierte Lehrer*innen oder Schulen wenden sich bitte an s.diettrich@slowfood.de. Dort erhalten Sie auch weiterführende Informationen zu Edible Connections.

  44. Das Projekt blustories gibt es seit Mitte 2020. Es ist eine Community für Nachhaltigkeit, auf der jeder Stories veröffentlichen kann. Das große Ziel dahinter: Leute für nachhaltiges leben begeistern. Am besten so, dass es Freude macht.

    Warum auf diesem Weg?
    Wir wissen alle, wie wichtig Nachhaltigkeit ist, handeln aber oft nicht danach. Wir haben uns gefragt, ob es nicht ein Weg sein könnte, wenn Leute aus dem persönlichen Umfeld eine Story darüber erzählen, was sie konkret gegen die Klimakrise tun. Weil persönliche Stories aus dem eigenen Umfeld viel überzeugender sein können, als reine Fakten.

    Was ist das Besondere?
    Der technische Kern von http://www.blustories.de. Wir haben ein Schreibtool entwickelt, mit dem jeder leicht und ohne Design-Vorkenntnisse Stories erstellen kann, die auf jedem Gerät professionell aussehen und schnell erstellt sind. Unser Leitsatz bei der Entwicklung ist: „Die Technik soll der Kreativität nicht im Weg stehen.“

    Unser Ziel:
    Wir möchten eine große Community für Nachhaltigkeit aufbauen, auf der echter Austausch stattfindet. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist größer geworden. Dennoch ist unklar, auf welche Art wir unser Leben verändern, welchen Weg wir in unserer Gesellschaft genau einschlagen. Darüber müssen wir streiten, Ideen austauschen und inspirieren.

    Wir freuen uns sehr darüber zu sehen, welche tollen Stories bereits geschrieben wurden: https://blustories.com/inspire
    Mehr Informationen gibt es hier: https://blustories.com

  45. Zwei Buchtipps zur Lebensmittelwertschätzung und -rettung!

    Smarticular.net, Hrsg.:

    Geht raus! Deine Stadt ist essbar. ISBN 978-3-946658-06-1, 15,40 Euro

    In Zusammenarbeit mit mundraub.org entstand dieses nachhaltig – sowohl bzgl. effektiver Obst- und Gemüsenutzung als auch bzgl. des Geldbeutels – orientierte Rezept-Handbuch, in dem 36 Pflanzen vorgestellt werden, die ihr Rezeptpotenzial buchstäblich „vor der Haustür“ bereithalten: Neben den klassischen Ziergewächsen in Parkanlagen und Co. gibt es häufig Sträucher, Bäume, deren Früchte im Haushalt nutzbar sind, ebenso Gewürz- und „Teepflanzen“. Dass Parks und Grünflächen wieder von Bürgern als Nahrungsquelle genutzt werden dürfen, zeigen schon Beispiel in anderen Städten, ein nachahmenswertes Konzept, für das sich „Mundraub“ einsetzt. Das Buch ermöglicht eine Entdeckungssafari zu geeigneten Pflanzen, die mithilfe des Buches in jeweils „ortstypischer Form“ gut nachvollzogen werden kann, incl. der rechtlichen Vorgaben, Sammeltipps, einem Erntekalender und natürlich den schmackhaften Rezepten zu den in städtischen Biotopen vorzufindenden Nahrungspflanzen. Zudem bietet die Internetplattform http://www.mundraub.org stets aktuelle Informationen zu den Möglichkeiten des „legalen Mundraubs“.

    Wirf mich nicht weg – Das Lebensmittelsparbuch. ISBN 978-3-946658-43-6, 17,40 Euro

    Hier ist der persönliche Einsatz gegen Lebensmittelverschwendung geradezu in aller Munde: über 333 Rezepte vor dem Hintergrund der nachhaltigen Ressourcennutzung machen Appetit auf mehr. Vielleicht sollte man das Buch erst einmal „diagonal lesen“, um überhaupt ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, WAS alles im täglichen Haushalt traditionell bzw. gewohnheitsmäßig aus dem Lebensmittel-Reste-Bereich entsorgt wird. Zum Teil verblüffende Rezeptvorschläge, wie vieles, angefangen bei „Altem Brot, Gemüse, Obst“ etc. und endend bei Zitrusschalen, noch lebensmittelwertschätzend recycelt werden kann machen das Lebensmittelsparbuch zu einem „Must-have“ im Haushalt. Zudem gibt es hilfreiche Tipps gegen Lebensmittelverluste im Vorfeld, zur richtigen Lagerung sowie Entscheidungshilfen, ob nun wirklich etwas weg muss oder noch genutzt werden kann.

    Einfach mal bei http://www.mundraub.org reinschauen!

  46. Kreihe, S. (Text), Andersone, Amalija (Fotos): Die ganze Pflanze – 60 Zero-Waste- Rezepte mit Blatt, Schale, Strunk & Stiel – Regional. Saisonal. Nachhaltig. München, Christian Verlag, 2020, ISBN 978-3-95961-411-5, 24,99 Euro

    Auch “so“ kann man Verbraucherinnen und Verbraucher für die zunehmende Lebensmittelverschwendung sensibilisieren und zum Mitmachen dagegen aufrufen, noch dazu mit Genussfaktor. Dieses etwas andere Rezeptbuch bietet ein Füllhorn von Anregungen, wie an sich für den Müll bestimmte Pflanzenteile „recycelt“ werden können. Auch Fakten zur (reduzierbaren) Umweltbelastung durch Lebensmittelproduktion, -transport u. ä. bieten Autorin und Fotografin der experimentierfreudigen Leserschaft. Von Chips über Brotaufstriche, viele Hauptgerichte, süße und alkoholische Getränke u. v. m. gibt es leicht nachmachbare Rezepte zu heimischen bzw. regional erhältlichen Obst- und Gemüsesorten. Sogar Kirschkerne und -stiele finden Verwendung in diesem auf Umweltpapierbasis hergestellten Buch. Übrigens: Wer gerne lieber eine Mahlzeit mit Fleisch haben möchte, kann in etlichen Gerichten seine eigene Kreativität walten lassen und das Gericht entsprechend aufpeppen.
    Christiane Högermann, Lebensmittelwertschätzerin

  47. Corona hat mich nochmal näher an’s Brot gebracht. Ich mein, ich hab vorher schon versucht, besonders wertschätzend mit Brot umzugehen und war regelmäßig Brotretten. Aber seit ich mitunter ganze 2 Tage aufwende, um ein Sauerteigbrot zu backen, ist das nochmal eine ganz andere Nummer. Brot ist für mich ein einfaches, doch zugleich ungemein komplexes Lebensmittel. Die hiesige Deutsche Brotkultur ist nicht umsonst immaterielles Kulturerbe der UNESCO!
    .
    Und je mehr ich über dieses besondere Lebensmittel erfahre, desto bedauerlicher finde ich, dass in Deutschland pro Jahr 1,7 Mio. Tonnen Backwaren in der Tonne landen. Fast jedes 5. Brot wird verschwendet! Zum Glück gibt es mittlerweile diverse Organisationen, die dem Problem mit innovativen Lösungen begegnen. Wenn Ihr noch mehr zum Thema Food Waste wissen möchtet, dann schaut doch einfach mal unter https://www.danielanthes.com/tag/food-waste/

    Dan Anthes, „Knärzje“ und „Shout out loud“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.